18.12.2017

BVMed will neues Konzept zur Wundversorgung

Berlin – Die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden soll verbessert werden. Dazu initiiert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) jetzt eine interdisziplinär und interprofessionell besetzte Arbeitsgruppe, die bis Ende 2018 ein neues Konzept erstellen soll. Darauf haben sich Experten auf dem 3. Wunddialog des BVMed geeinigt.

BVMed will neues Konzept zur WundversorgungDie Spezialisten aus verschiedenen Versorgungsbereichen sollen vor allem Empfehlungen für den Aufbau von Strukturen erarbeiten, die eine effektivere Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen und Berufe ermöglichen.
Dr. Wolfgang Paul Tigges, Gefäßchirurg und Chefarzt des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg, gibt auf der Veranstaltung einen Überblick über die Komplexität der Wundversorgung und aktuelle Herausforderungen. Insbesondere eine bessere Vernetzung von Fach- und Hausärzten sowie Pflegediensten sei unerlässlich: „Wir brauchen mehr Durchlässigkeit.“ Viele Komplikationen bis hin zu Amputationen könnten verhindert werden, wenn bestehende Mängel bei Diagnose und Therapie beseitigt würden. Auch Hausärzte, Dermatologen oder Chirurgen benötigten mehr Wissen, beispielsweise zu Kompressionstherapien. Aus- und Weiterbildung seien entscheidend. „Eine Zusatzausbildung ‚Wundarzt’ ist notwendig“, betont Tigges. Ebenso brauche es definierte Qualitätskriterien für die spezialisierte Wundbehandlung. Außerdem empfiehlt er, dass die Wundexperten sich stärker in Gremien wie dem Gemeinsamen Bundesausschuss einbringen. Über das Antragsrecht von Patientenvertretern gebe es hier gute Möglichkeiten.
Auf die schwierige Situation speziell in ländlichen Regionen macht Anke Richter vom Hausärzteverband Westfalen-Lippe aufmerksam. In ihrer Praxis in Bad Oeynhausen sehe sie sich regelmäßig mit Anforderungen für Verbandmittel konfrontiert, deren – medizinische und wirtschaftliche – Angemessenheit sie nur schwer überprüfen könne. Für eine effektive Versorgung chronisch Kranker hält sie multidisziplinäre Teams aus Hausärzten, Medizinischen Fachangestellten, Pflegekräften und Physiotherapeuten für den richtigen Weg – unterstützt durch eine moderne IT-Infrastruktur. Die Rolle der Hausärzte sieht sie weiterhin in der Steuerung und Koordination: „Bei uns in den Praxen werden auch weiterhin alle Fäden zusammenlaufen.“
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