20.03.2015

Ärzte wollen Hirnschrittmacher bei Parkinson gezielter einsetzen

Tübingen – Die Tiefe Hirnstimulation (THS) durch elektrische Impulse eines Schrittmachers ist ein bewährtes Mittel gegen Bewegungsstörungen bei Parkinson. Neurophysiologen wollen die THS jetzt entscheidend verbessern: Anstelle einer gleichmäßigen Dauerstimulation sollen die Impulse nur noch dann abgegeben werden, wenn die kranken Nervenzellen auch tatsächlich aktiv sind.

Ärzte wollen Hirnschrittmacher bei Parkinson gezielter einsetzenDas Thema wird auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie (DGKN) in Tübingen diskutiert. Experten werden dort über die ersten Ergebnisse und künftige Möglichkeiten adaptiver Hirnschrittmacher berichten.
Lassen sich Zittern, langsame Bewegungen oder Muskelsteifheit bei Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium auch mit Medikamenten nicht mehr kontrollieren, so kann die THS helfen, diese Symptome zu lindern. Dabei mindern die Stromimpulse die unkontrollierten Bewegungen in 80 bis 90 Prozent der Fälle und führen zu einer besseren Beweglichkeit der Patienten. Die Technik des Schrittmachers könne sich schon bald deutlich verbessern, ist Prof. Alfons Schnitzler, Vizepräsident der DGKN, überzeugt. Bisher sei eine gleichmäßige Dauerstimulation durch den Schrittmacher üblich. „Ziel ist aber die Entwicklung eines adaptiven Schrittmachers, der die Stimulation an die Aktivität der kranken Nervenzellen anpasst und so eine bessere therapeutische Wirkung erzielt“, erklärt der Experte im Vorfeld der DGKN-Jahrestagung. Das neue Modell gebe nicht nur Impulse ab, es messe gleichzeitig auch die Nervenzellaktivität.

Schnitzlers Arbeitsgruppe hat vor rund zwei Jahren gezeigt, dass das typische Zittern von Parkinson-Patienten durch eine fehlerhafte, aber nur zeitweise auftretende Nervenzellaktivität im Gehirn entsteht. Erst kürzlich hat eine Arbeitsgruppe der Universität Oxford bewiesen, dass eine auf krankhafte Hirnaktivität ausgerichtete Stimulation um zirka 30 Prozent besser wirkt als eine dauerhafte Stimulation. Neurologen am Universitätsklinikum Würzburg entdeckten außerdem, dass kürzere elektrische Impulse der Schrittmacher von 30 statt 60 Mikrosekunden, die Wahrscheinlichkeit möglicher Nebenwirkungen senken können. „Bei manchen Patienten kann eine THS mit kürzeren Impulszeiten vorteilhaft sein“, sagt Schnitzler. Dieser Befund könne unmittelbar in der Klinik angewendet werden, so der Ärztliche Leiter am Universitätsklinikum Düsseldorf.
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