21.02.2020

3D-Drucker soll auch Herzbeutel ausspucken

Potsdam – Ein Herzbeutel aus dem 3D-Drucker – das ist ein Ziel des Projekts PolyKARD. Zusätzlich soll erstmalig auch ein Drucker entwickelt werden, der Medizinprodukte der Klasse III herstellen kann.

3D-Drucker soll auch Herzbeutel ausspuckenDie PolyKARD-Partner – das sind die Firmen AdjuCor, Young Optics Europe und pro3dure medical sowie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP und das NMI Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut – wollen die Herstellung der Implantate bis zu ersten klinischen Studien vorantreiben. Diese könnten im Jahr 2022 auf der Agenda stehen.
Künstlich hergestellte Implantate können vielen Betroffenen helfen, die auf ein Spenderorgan warten. Bei Implantaten, die elastisches Gewebe ersetzen sollen, ist der Forschungsbedarf in Bezug auf den 3D-Druck allerdings groß, denn die Anforderungen an die Materialien sind hoch: Sie müssen ihre mechanischen Eigenschaften über viele Jahre hinweg erhalten, hundertprozentig beständig und biokompatibel sein und dürfen keine Abstoßungsreaktionen des Immunsystems hervorrufen.
Anlässlich des Projektes PolyKARD werden deshalb biomimetische Polymere entwickelt, die die biologischen und mechanischen Materialeigenschaften des Herzbeutels, auch Perikard genannt, nachahmen sollen. „In dem Projekt entwickeln wir biomimetische Perikard-Ersatzmaterialien, die beispielsweise für künstliche Herzbeutel, Herzklappen, Blutgefäße, Stents, Sehnen oder Septumverschlüsse eingesetzt werden können. Das Besondere daran ist, dass die Implantate aus Photopolymeren bestehen und individuell im 3D-Drucker oder mittels Elektrospinning hergestellt werden können“, sagt Dr. Wolfdietrich Meyer, der das Projekt am Fraunhofer IAP in Potsdam leitet. Um künftig auf dem Markt für klinische Anwendungen zugelassen zu werden, müssen sowohl die neuen Photopolymere als auch die Verarbeitungsverfahren umfangreiche Auflagen erfüllen. Deshalb arbeiten die Forscher auch daran, ein 3D-Drucksystem zur Herstellung von Medizinprodukten der Klasse III zu etablieren, mit dem eine vollständige Rückverfolgbarkeit der für die Herstellung eingesetzten Rohmaterialien möglich ist.
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