18.11.2020

Zwickmühle Corona-Warn-App

Bochum – Ob die Corona-Warn-App zur Eindämmung der Pandemie beiträgt, hängt stark davon ab, dass sie sehr viele Menschen nutzen. Die Nutzung ist aber freiwillig, und viele zweifeln an der Sicherheit ihrer Daten oder sehen ihre persönliche Freiheit gefährdet. Die ethischen Aspekte der Nutzung solcher Livetracking-Apps analysiert jetzt eine interdisziplinäre Forschungsgruppe.

19,3 Millionen Menschen haben Stand Mitte Oktober die Warn-App heruntergeladen. Ihre Nutzung ist in Deutschland freiwillig; jedoch sind hohe Nutzerzahlen Voraussetzung für ihre Wirksamkeit. Der Universität Oxford zufolge müssten 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzen, damit sie einen substanziellen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten kann. Doch wie kann man das erreichen, ohne den selbstbestimmten Umgang des Einzelnen mit der App einzuschränken?

„Genau an dieses ethische Dilemma schließt unsere Forschungsfrage an“, sagt Dr. Joschka Haltaufderheide, Ruhr-Universität Bochum. Sie lautet: Welche Chancen und Risiken birgt die digitale Kontaktnachverfolgung, und wie können die Potenziale einer aufgeklärten und informierten Nutzung der Technik so ausgeschöpft werden, dass ein selbstbestimmter Umgang möglich wird und zugleich hohe Nutzungszahlen erreicht werden können?

In einem sozialwissenschaftlichen Teilprojekt erfassen die Wissenschaftler mittels einer qualitativen Interviewstudie mit Expertisen aus verschiedenen Feldern wie IT, Medizin und Recht das Stimmungsbild zur Bewertung und Wahrnehmung von Livetracking-Applikationen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. Ein philosophisches Teilprojekt analysiert aus ethischer Perspektive die Zulässigkeit von Livetracking-Applikationen mit besonderem Augenmerk auf der informierten Zustimmung seitens der Anwenderinnen und Anwender. Auf dieser Grundlage wollen die Forscherinnen und Forscher Handlungsempfehlungen für den Umgang mit und die Weiterentwicklung von solchen Anwendungen aus ethischer Perspektive geben.

Die Forschungsgruppe Elisa (The Ethics of Livetracking Applications in Connection with Sars-CoV-2) wird seit Oktober 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
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