21.05.2012

Wissen künftiger Ärzte über Suchterkrankungen ist minimal

Berlin – Medizinstudierende lernen, wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit behandelt werden – die Behandlung der Alkohol- und Tabakabhängigkeit wird während des Studiums jedoch kaum thematisiert. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie.

Die Ergebnisse der Untersuchung, an der unter anderem Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universitätsmedizin Göttingen sowie Wissenschaftler aus Hamburg und London beteiligt waren, sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Addiction publiziert.
Befragt wurden knapp 20.000 deutsche Medizinstudierende zu ihrer Vorbereitung auf die praktische Tätigkeit – die Hälfte aller Studierenden an 27 deutschen Fakultäten. Es zeigt sich, dass im letzten Studienjahr nur rund 20 Prozent wissen, wie Alkohol- oder Tabakabhängigkeit behandelt wird. Nur 7 Prozent aller Studierenden fühlt sich in der Lage, einen Raucher zu beraten, der Hilfe bei der Tabakentwöhnung sucht. Weit über die Hälfte der künftigen Ärzte wünschen sich, im Studium mehr über diese Suchtkrankheiten zu lernen. „Ärztinnen und Ärzte sehen ihre Hauptaufgabe häufig in der Verschreibung von Medikamenten und in der Durchführung diagnostischer und therapeutischer Prozeduren“, sagt Studienleiter Dr. Tobias Raupach, Universitätsmedizin Göttingen. Das Gespräch mit dem Patienten trete dabei in den Hintergrund, es sei jedoch das entscheidende Element in der Erkennung von Suchtkrankheiten.
An der Berliner Charité wurde dieses Manko bei der Entwicklung des Modellstudiengangs Medizin berücksichtigt. „Bereits im zweiten Semester vermittelt das Modul ‚Mensch und Gesellschaft’ erste Grundlagen der Sucht“, sagt Prof. Dr. Claudia Spies, Prodekanin für Studium und Lehre der Charité. In späteren klinischen Modulen erwerben die Studenten vertiefende Kenntnisse. „Praxisbezogene Fertigkeiten im Umgang mit Suchtpatienten trainieren die Studierenden in den Lehrveranstaltungen ‚Kommunikation, Interaktion, Teamarbeit’, die sich über das gesamte Studium erstrecken“, führt die Prodekanin weiter aus. Derzeit entwickele die Fakultät das Teilcurriculum „Ärztliche Betreuung von Patienten mit Suchterkrankung“.
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