26.03.2013

WHO: Frauen leben länger, Arme sterben früher

Kopenhagen/London – Die Bevölkerung in Europa lebt im Schnitt immer länger. Die Menschen im Osten schneiden jedoch schlechter ab als die im Westen, Frauen besser als Männer, Arme schlechter als Reiche. Das geht aus dem Europäischen Gesundheitsbericht 2012 der Weltgesundheitsorganisation WHO hervor.

Dem Report zufolge ist die Lebenserwartung der rund 900 Millionen Menschen der 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO insgesamt von 1980 bis 2010 um fünf auf 76 Jahre gestiegen. Bis 2050 wird jeder Vierte älter als 65 sein. Große Unterschiede bestehen dabei zwischen Frauen und Männern und zwischen Ost und West. 2010 wurden demnach Frauen im Durchschnitt aller Länder 80 Jahre, Männer 72,5. Die bedeutendsten Unterschiede mit mehr als zehn Jahren gibt es zumeist in den Ländern, die auch insgesamt eine geringe Lebenserwartung haben. Dazu gehören unter anderem Kasachstan, Weißrussland, Ukraine oder Litauen. So wurden Frauen in Kasachstan statistisch zum Beispiel keine 75 Jahre, Männer nicht einmal 65. Weniger als vier Jahre Unterschied gibt es zum Beispiel in Schweden, Island, Israel oder Großbritannien. Als Grund für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nennt die WHO „unterschiedliche Lebensweisen und Berufstätigkeiten“.
Eine größere Bedeutung als bisher misst die WHO Sozialfaktoren bei. So beeinflussten Bildung, Einkommen und Beschäftigung die Gesundheit enorm, heißt es im Bericht. Wer weniger als 20.000 US-Dollar (rund 15.500 Euro) im Jahr verdient, hat demnach ein höheres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Im Schnitt verdienten die Menschen 2009 pro Kopf und Jahr 24.000 US-Dollar. In Luxemburg lag das durchschnittliche Jahreseinkommen am höchsten (105.000 US-Dollar), in Tadschikistan bei 700 Dollar.
Nichtübertragbare Krankheiten machen den WHO-Angaben zufolge mit rund 80 Prozent den Löwenanteil an den Todesursachen aus. Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall usw.) verursachen fast 50 Prozent aller Todesfälle, gefolgt von Krebs mit rund 20 Prozent auf Rang 2. Übertragbare Krankheiten kommen in der europäischen Region seltener vor als in der übrigen Welt. Der Bericht zeige, „dass sich in der Region weit verbreitete gesundheitliche Benachteiligungen hartnäckig halten und zum Teil noch verstärken“, sagt WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab. Das sei ebenso „unnötig wie ungerecht“ und sollte gemeinsam vorrangig angegangen werden.
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