19.01.2018

WhatsApp als Frühwarnsystem bei Depression

Würzburg/Tübingen – Würzburger und Tübinger Wissenschaftler wollen untersuchen, ob Veränderungen im Kommunikationsverhalten bei WhatsApp zur Früherkennung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen genutzt werden können.

„WhatsApp against depression“ lautet der Titel des neuen Projekts. „Ursprünglich wollten wir das gesamte Kommunikationsverhalten über WhatsApp analysieren und mit den resultierenden Modellen das Datenverkehrsmanagement in mobilen Netzwerken verbessern“, sagt der Informatiker Dr. Michael Seufert von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und Projektmitglied. Dabei sei der „WhatsAnalyzer“ entstanden: eine webbasierte App, die Nachrichtenverläufe auswertet. Jeder kann WhatsAnalyzer nutzen und Chats einsenden, so der Wissenschaftler. Diese werden anonymisiert und das Kommunikationsverhalten analysiert. Im Gegenzug erhält jeder Nutzer Einblicke in die eigene Kommunikation.
Jetzt habe sich eine weitere Einsatzmöglichkeit der Software ergeben. „Eine Depression soll mit unserer App frühzeitig erkannt werden. Bevor es zu spät ist. So können wir betroffenen Kindern und Jugendlichen optimal helfen", sagt die Informatikerin Anika Schwind, ebenfalls am Projekt beteiligt. Es gehe ausdrücklich nicht darum, Depressionen per WhatsApp zu behandeln, sondern frühzeitig darauf zu reagieren. Der Psychologe Stefan Lüttke fügt hinzu: „Wir sind darauf aufmerksam geworden, weil wir aus der Forschung wissen, dass Menschen in einer depressiven Phase ‚anders‘ schreiben als sonst, zum Beispiel mehr negative Wörter verwenden. Außerdem ziehen sich Nutzer, wenn sie sich etwa niedergeschlagen fühlen, zurück und tauschen dann vermutlich auch weniger Nachrichten mit dem Smartphone aus.“

Schirmherr des Projekts ist Dr. Eckart von Hirschhausen, der sich als ausgebildeter Mediziner in verschiedenen Medienformaten mit Gesundheitsthemen auseinandersetzt.
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