24.04.2013

Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird berechenbarer

Berlin – Wissenschaftlern der Charité - Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen vorherzusagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit für einen Herz-Kreislauf-Patienten ist, innerhalb von drei Monaten einen Herzinfarkt, Hirninfarkt oder Arterienverschluss zu erleiden. Dieses Wissen kann langfristig gezielt vorbeugende Maßnahmen ermöglichen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen. Etwa die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland geht auf eine Erkrankung des Herzens oder des Gefäßsystems zurück. Die Forschungsgruppe um Dr. Stephan von Haehling von der Medizinischen Klinik am Campus Virchow-Klinikum hat insgesamt 2.568 Patienten im Alter von 57 bis 79 Jahren untersucht, die mit Herzbeschwerden oder Brustschmerzen die Klinik aufgesucht hatten. Sie litten unter chronischen Beschwerden infolge einer Verengung der Herzkranzgefäße oder hatten ein akutes Ereignis, wie einen Herzinfarkt, aufgrund derartiger Veränderungen. Den Patienten wurde Blut entnommen und das Serum bei minus 80°C eingefroren. Danach wurden die Proben auf die Konzentration eines bestimmten Eiweißes, des Plasma-Proteins PAPP-A (Pregnancy-associated Plasma Protein A) untersucht. PAPP-A wurde erstmals in den 1970er Jahren im Blutserum schwangerer Frauen nachgewiesen. Die Konzentration des Proteins im Blut der Schwangeren gibt Hinweise auf genetische Veränderungen im Erbgut des Fötus und wird üblicherweise zum fetalen Screening eingesetzt.
Die aktuelle Studie hat gezeigt, dass alle Patienten, die innerhalb von 90 Tagen nach der ersten Untersuchung einen Herz-, einen Hirninfarkt oder einen Arterienverschluss erlitten, eine höhere PAPP-A-Konzentration in ihrem Blutserum aufwiesen, als Patienten ohne derartige Ereignisse innerhalb des gleichen Zeitraums. Zudem hat sich gezeigt, dass die Art der Grunderkrankung, das Geschlecht und der Body-Mass-Index keinen Einfluss auf die Konzentration des Proteins haben. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Konzentration von PAPP-A ein starker, unabhängiger Biomarker ist, mit dem abgeschätzt werden kann, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Patient mit Herzbeschwerden kurzfristig eine Folgeerkrankung erleiden könnte. „Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist die Beurteilung zukünftiger Risiken eine wesentliche ärztliche Aufgabe“, erklärt von Haehling. „Mithilfe einer Blutuntersuchung könnten zukünftig Krankheitsverläufe bei Herzpatienten deutlich besser prognostiziert und somit schwerwiegende Folgen verringert werden.“

Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Canadian Medical Association Journal erschienen.
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