21.05.2012

Umfrage untermauert Versorgungsnotstand auf dem Land

Berlin – Der Arztberuf verliert an Attraktivität. Dem ländlichen Raum droht der Versorgungsnotstand, viele Medizinstudenten wollen auch nicht für mehr Geld aufs Land. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Hartmannbunds unter Medizinstudierenden, die am 7. Mai in Berlin vorgestellt wurde.

Als „alarmierend“ bezeichnet Kristian Otte, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden des Hartmannbunds, die gesunkene Attraktivität des Arztberufes. Fast jeder Zweite schließt demnach schon während des Studiums nicht aus, einen Job außerhalb der kurativen Medizin anzutreten – und damit nicht der Patientenversorgung zur Verfügung zu stehen. Besorgniserregend sei auch die Situation für die Versorgung im ländlichen Raum. Der Umfrage zufolge stammen zwar 24 Prozent der Befragten vom Land, aber nur neun Prozent sind insgesamt bereit, dort dauerhaft ambulant tätig zu werden. Die überwiegende Mehrheit (60 Prozent) will in Städten zwischen 50.000 und 500.000 Einwohnern praktizieren. Trotz der schwierigen Ausgangslage für die strukturschwachen Regionen ist die Lage nicht hoffnungslos, findet der Hartmannbund-Vorsitzende Dr. Klaus Reinhardt: „Die übergroße Mehrheit der Befragten schließt es immerhin grundsätzlich nicht aus, in der Stadt zu leben und auf dem Land zu praktizieren oder auch befristet in strukturschwachen Regionen tätig zu werden.“ Das Potenzial sei da, sagt er. Wer es allerdings versäume, notwendige Strukturänderungen konsequent anzugehen, gebe die flächendeckende Gesundheitsversorgung fahrlässig verloren, so Reinhardt. In der Pflicht sieht er neben den Krankenkassen auch die Kommunalpolitik. Wichtig seien eine gute Infrastruktur und Arbeitsplätze auch für Lebens- und Ehepartner, auch könnten finanzielle Anreize gesetzt werden. Der Befragung zufolge können sich immerhin 65 Prozent der Studenten vorstellen, für einen gewissen Zeitraum auf dem Land zu arbeiten (37 Prozent Klinik, 28 Prozent Praxis). 9 Prozent lehnen das allerdings kategorisch ab.

Finanzielle Anreize allein reichen nicht

Die Befragung zeigt auch, dass rein finanzielle Anreize das Versorgungsproblem auf dem Land nicht lösen werden. Für 52 Prozent wäre das kein Grund, ihre Meinung zu ändern. Sie wollen auch nicht für Geld aufs Land. Für 29 Prozent hängt das von der Höhe der Vergütung ab, 19 Prozent können sich das vorstellen. Eine unbefristete Tätigkeit auf dem Land machen die Medizinstudierenden von den Rahmenbedingungen abhängig. 63 Prozent nennen die Kinderbetreuung als Faktor. Für 51 Prozent wäre die kostenlose Bereitstellung von Praxisräumen ein Aspekt. Wichtig sind auch ein Arbeitsplatz für den Ehe-/Lebenspartner (51 Prozent) sowie Prämienzahlung durch KV oder Krankenkassen (47 Prozent).
Für den Hartmannbund zeigt sich in der übergreifenden Analyse, dass vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch Teamarbeit und bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte im Vordergrund stehen. Die Erkenntnisse seien „ein deutlicher Weckruf an Politik und Klinikträger“.
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