24.04.2008

Studie zu Wartezeiten: Großes Echo, wenig Daten

Köln/Berlin – Die Wartezeiten-Studie des Kölner Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie sorgt für medialen Wirbel. Dabei ist die Datenbasis der Untersuchung eher dünn.



Die Kernaussage der Studie lautet: Kassenpatienten warten im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt wie Privatpatienten. Empirische Grundlage dafür sollte eine telefonische Befragung von 189 Praxen im Raum Köln/Bonn/Leverkusen sein – und zwar im Zeitraum April und Mai 2006. Tatsächlich wurden aber nur 128 Praxen befragt, denn ein gutes Drittel der Praxen konnte letzten Endes keine Daten für die Studie liefern: Sie arbeiteten entweder grundsätzlich ohne feste Termine, waren nicht erreichbar, konnten die Untersuchung nicht durchführen oder behandelten ohnehin nur Privatpatienten.

Für Prof. Karl Lauterbach, aufgrund seiner MdB-Tätigkeit beurlaubter Direktor des Kölner Instituts, offenbart die Studie „nur die Spitze des Eisberges eines Zwei-Klassen-Systems in der medizinischen Versorgung.“ Ulla Schmidt hat dagegen an anderer Stelle die „groß angelegte Studie“ – wie sie mit ironischem Unterton sagt – abgekanzelt.

Untergegangen in der Diskussion ist der konstruktive Umgang der Gmünder Ersatzkasse (GEK) mit dem Thema: Sie bietet ihren Versicherten seit einem halben Jahr einen besonderen Termin-Service mit Wartezeitenmanagement. Das umfasst sowohl die Beschaffung von Erstterminen wie auch die Suche nach einem Termin für eine „zeitnahe“ Untersuchung. Geschultes medizinisches Fachpersonal sorgt dafür, dass rund ein Drittel der Termine bei Fachärzten optimiert wird. Bei zwei Dritteln wird ein früherer Termin bei einem anderen Facharzt gefunden. Stellt sich die Frage: Warum ist die Kasse bei der Terminfindung erfolgreicher als der Patient? Die Erfahrung habe gezeigt, dass es von Arzthelferin zu Arzthelferin besser funktioniere. Im Wartezeitenmanagement gebe es häufig noch Luft. Monatlich macht die GEK rund 200 Termine für ihre Versicherten aus, anfangs waren es noch 79.

Das Fritz Beske Institut für Gesundheitssystemforschung hat diesen Fall berechnet. Offenbar könnten Kassenpatienten keine deutliche Verbesserung erwarten. Die Rechnung: In Deutschland gibt es 73,8 Millionen Kassenpatienten und 8,2 Millionen PKV-Versicherte. Die durchschnittlichen Wartezeiten für Facharzttermine liegen bei 30 Tagen (GKV) beziehungsweise zehn Tagen (PKV). Hochgerechnet auf ein Jahr macht das 2,296 Milliarden Tage Wartezeiten. Teilt man dies durch die Einwohnerzahl Deutschland (82 Millionen), liegt die durchschnittliche Wartezeit bei 28 Tagen.
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