23.02.2012

Studie: Wartezeit hat keinen Einfluss auf Versorgungsqualität

Berlin – Bei Fachärzten warten gesetzlich Versicherte in Deutschland länger als Privatpatienten. Einen Einfluss auf die Versorgungsqualität hat das aber nicht, geht aus einer neuen Studie der Universität Hamburg hervor. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, sieht sich in den Ergebnissen bestätigt.

Die Studie zeige, dass „ökonomische Anreize auf Ärzte wirken“, sagt Prof. Jonas Schreyögg, Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen der Universität Hamburg, auf Nachfrage der Presseagentur Gesundheit. Trotz der unterschiedlichen Wartezeit auf einen Termin beim Facharzt gebe es aber „keinerlei negative Evidenz dafür, dass dies zu einer schlechteren Versorgungsqualität führt“. Die kürzere Wartezeit für den Privatversicherten sei eher „ein Komfortmerkmal“ und eventuell noch ein Indikator für die Prozessqualität von Praxen, aber „kein Indikator für Ergebnisqualität der Versorgung“, sagt Schreyögg. Grundsätzlich verweist er auf eine relativ schlechte Studienlage, das betreffe sowohl Fragen der Wartezeiten als auch Fragen zur ambulanten Versorgungsqualität. Schreyögg hat in seiner Analyse festgestellt, dass es zum Teil „signifikante Unterschiede“ in den Wartezeiten gibt. Die Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten auf einen Termin beim Hausarzt unterscheiden sich kaum. In der fachärztlichen Versorgung warten gesetzlich Versicherte der Studie zufolge allerdings neun Tage länger auf einen Termin (PKV: 7 Tage, Kassenpatienten 16 Tage). Europaweit betrachtet relativierten sich die Wartezeiten allerdings, heißt es. KBV-Chef Köhler hofft, dass die Erkenntnisse zur Versachlichung beim Thema Wartezeiten beitragen. Die Studie belege, „dass eine in Deutschland viel beklagte Zweiklassenmedizin ein Mythos ist“.
Die unabhängige Untersuchung „Der Mythos der Zweiklassenmedizin – eine Studie zu Wartezeiten in der ambulanten Versorgung“, die unter anderem auf eine Querschnittsbefragung des Bertelsmann Gesundheitsmonitors zwischen 2007 und 2009 zurückgreift, soll nach Angabe des Autors demnächst in „Geneva Papers of Risk and Insurance“ erscheinen. Eine Studie zur Versorgungsqualität von gesetzlich und privat Versicherten, die Schreyögg initiieren will, scheitert bislang daran, dass keine private Krankenversicherung ihre Daten bereitstellen will.
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