18.09.2019

Studie: Frauen verzichten wegen Geldmangels auf Verhütung

Berlin – Viele Frauen mit geringem Einkommen können sich Pille, Spirale und andere Kontrazeptiva nicht leisten. Sie verhüten unregelmäßiger, nutzen weniger zuverlässige Methoden oder verzichten ganz. Zu diesem Ergebnis kommt die nun veröffentlichte Abschlussevaluation zum Modellprojekt „biko“ vom Bundesverband pro familia.

Studie: Frauen verzichten wegen Geldmangels auf VerhütungIn Erfurt, Halle, Lübeck, Ludwigsfelde, Recklinghausen, Saarbrücken und Wilhelmshaven hat der Verband das Projekt „biko - Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ erprobt. Über drei Jahre sind die Kosten für verschreibungspflichtige Kontrazeptiva bei Frauen mit geringen Einkommen übernommen worden – mit einer Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über knapp vier Millionen Euro. Das unabhängige Evaluationsinstitut „Camino Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich gGmbH“ hat das Projekt ausgewertet.
Die Ergebnisse: Von Juli 2017 bis Juni 2018 gibt es 6.104 Anfragen für Kostenübernahmen, 4.480 werden bewilligt. Die Hälfte aller Frauen gibt an, dass sie ohne dieses Angebot nicht oder mit einer deutlich unsicheren Methode verhüten. Die Bedarfsgruppe ist heterogen: Junge Frauen in der Ausbildung nutzen die Kostenübernahme ebenso wie jene, die Transferleistungen beziehen. Frauen, die trotz Berufstätigkeit nur ein geringes Einkommen haben, bilden die zweitgrößte Gruppe. Von den Frauen haben 59 Prozent ein Kind oder mehrere Kinder. Mehr als die Hälfte nutzt im Rahmen von biko Langzeitverhütungsmethoden wie Hormon- oder Kupferspirale. Etwas mehr als ein Viertel wählt die Pille.
Seit dem 1. März 2019 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung bis zum 22. Lebensjahr die Kosten für verschreibungspflichtige Kontrazeptiva. Ältere Frauen haben diesen Anspruch nicht.
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