21.02.2020

Sepsisfälle doppelt so hoch wie bisher angenommen

Jena – Laut einer Studie in der Zeitschrift „The Lancet“ ist die Krankheitslast durch Sepsis doppelt so hoch wie bisher geschätzt. Es betrifft 20 Prozent aller Todesfälle weltweit. Auch in Deutschland ist die Lage dramatisch.

Die Studie „Global, regional, and national sepsis incidence and mortality, 1990–2017“ beinhaltet laut Sepsis-Stiftung die bisher umfassendsten Daten zur Sepsishäufigkeit und wurde vom Institute of Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle durchgeführt, das für den jährlichen „Global Burden of Disease Report“ zuständig ist.

Ausgewertet wurden Daten aus Krankenakten wie Alter, Geschlecht, Region oder Ursachen der Sepsisentstehung. 2017 gab es weltweit 48,9 Millionen Sepsisfälle – 677 Krankheitsfälle pro 100.000 Einwohner. 11 Millionen Menschen überlebten die Sepsis nicht. Bisherige Schätzungen gingen nur von 5,3 Millionen Todesfällen aus. „Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen auf beeindruckende Weise die Bedeutung der Resolution ,Verbesserung, der Prävention, Früherkennung, Diagnose und Behandlung der Sepsis‘, mit der die World Health Assembly 2017 auf Initiative des deutschen Bundesgesundheitsministeriums (BMG) Sepsis eine hohe Priorität eingeräumt hat“, sagt Prof. Konrad Reinhart, Mitautor der Publikation, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung und Präsident der Global Sepsis Alliance.

Erste wissenschaftliche Erhebungen aus Deutschland, die ebenfalls auf der Auswertung von Krankenakten beruhen, legen nahe, dass auch hier die Sepsishäufigkeit doppelt so hoch ist wie bisher vermutet. „Da die Sepsissterblichkeit in Deutschland, im Vergleich zu Australien, England und den USA doppelt so hoch ist, ist es dringend geboten, die seit 2013 an das BMG gerichtete Forderung für einen Nationalen Sepsisplan aufzugreifen und dem einstimmigen Wunsch der Gesundheitsministerkonferenz der Länder vom Juni 2018 zur Umsetzung der Forderungen der WHO Sepsis-Resolution in Deutschland nachzukommen“, sagt Reinhart weiter.
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