19.02.2018

„Selbst schuld“ denken viele bei Übergewichtigen

Mannheim – Eine aktuelle Umfrage des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Uni Mannheim zeigt, dass viele Bürger bei stark Übergewichtigen denken, sie seien selbst schuld an ihrem Dilemma und sollten deshalb resultierende medizinische Behandlungskosten aus eigener Tasche zahlen.

„Selbst schuld“ denken viele bei ÜbergewichtigenAllerdings machen Experten schon seit vielen Jahren nicht den Einzelnen für Adipositas, sondern veränderte Umweltbedingungen verantwortlich. Die gesellschaftliche Unterstützung für politische Maßnahmen und Regelungen, die die Umweltbedingungen in den Fokus nehmen, sei bisher jedoch eher gering.
Diese Haltung wird jetzt durch die Umfrageergebnisse mit Teilnehmern aus Deutschland, Großbritannien und den USA bestätigt. Die Forscher wollten wissen, wen die Befragten für starkes Übergewicht verantwortlich machen, wer ihrer Meinung nach die Behandlungskosten zahlen sollte und welche politischen Maßnahmen sie als wirkungsvoll ansehen. Um die Ergebnisse besser einordnen zu können, stellten sie dieselben Fragen mit Blick auf Alkohol- und Tabakabhängigkeit. In allen drei Ländern machten die meisten Befragten den Einzelnen für Adipositas verantwortlich, genauso wie bei Alkohol- oder Tabakabhängigkeit. In Deutschland und Großbritannien war ein Drittel der Befragten dieser Meinung, in den USA waren es knapp 45 Prozent.
Insgesamt bewerteten die Teilnehmer politische Maßnahmen und Regelungen gegen die Verbreitung von starkem Übergewicht als weniger wirksam als die gegen Alkohol- und Tabakabhängigkeit. Darüber hinaus wurde eine hohe Besteuerung in allen drei Ländern als am wenigsten erfolgsversprechend bei der Bekämpfung von Adipositas angesehen, auch wenn dies bei der Bekämpfung von Alkohol- und Tabakabhängigkeit als effektiv eingeschätzt wird. Die wirksamste Maßnahme gegen Adipositas ist aus Sicht der Befragten eine verständliche Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln. Diese halten die meisten sogar für effektiver als deutliche Warnungen vor den Gesundheitsrisiken auf Alkohol- und Tabakprodukten.
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