26.03.2013

Schmerztherapie: Studie zeigt Defizite bei kleineren Operationen

Jena – In deutschen Krankenhäusern gibt es Defizite in der Schmerzbehandlung. Das zeigt eine neue Studie mit mehr als 50.000 Patientendaten aus 105 Kliniken. Probleme gibt es demnach vor allem bei kleineren Eingriffen.

Während demnach einige der großen Eingriffe wie Lungen-, Magen- oder Prostataoperationen erstaunlich wenig Schmerzen nach sich ziehen, sind Blinddarmoperationen oder Mandelentfernungen, also relativ kleine, aber häufige Eingriffe, ausgesprochen schmerzhaft. Das spreche für eine oft unzureichende schmerztherapeutische Versorgung nach kleineren Operationen, resümieren die Autoren der im Fachblatt „Anesthesiology“ veröffentlichten Studie. Grund für die Schmerzen seien einerseits ausgeprägte Entzündungen, andererseits würden nicht immer die in Leitlinien empfohlenen Methoden verwendet – zum Beispiel zusätzliche örtliche Betäubungsverfahren. Vor allem orthopädische Operationen gehörten dazu, sie nehmen 22 Plätze unter den Top 40 ein. Ein Grund dafür könnte sein, dass dort bei nur 16 Prozent ein lokales Schmerztherapieverfahren angewendet wird. „Vielleicht deswegen, da dazu Schmerzteams notwendig sind, die in manchen Krankenhäusern immer noch für überflüssig gehalten werden“, vermutet der Jenaer Studienleiter Winfried Meißner.

Erfolg mit moderner Schmerztherapie

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass Patienten, die mit lokalen Schmerztherapien behandelt werden, weniger leiden als solche, die Schmerzmittel als Injektion oder Tablette erhalten. Auch die minimal-invasive, endoskopische Technik führt in vielen Fällen zu weniger Schmerzen als eine offene Operationstechnik. „Gerade vor dem Hintergrund dieser neuen Studienergebnisse raten wir den Patienten, sich vor einer planbaren Operation genau zu erkundigen, ob ein Akutschmerzdienst und lokale Schmerztherapieverfahren angeboten werden, ob die Mitarbeiter mit den modernen Methoden der Schmerzlinderung vertraut sind und ob die Operation in minimal-invasiver Technik durchführbar ist“, sagt Prof. Dr. Bernd W. Böttiger, Direktor der Anästhesiologie und Operativen Intensivmedizin an der Uniklinik Köln. „Die Daten spiegeln den deutschen Klinikalltag an 105 Krankenhäusern wider und zeigen, wie erfolgreich eine intensive Schmerztherapie sein kann, wenn moderne Schmerztherapieverfahren angewandt werden“, betonten die Anästhesisten Hans Gerbershagen (Utrecht) und Meißner. Gleichzeitig demonstrierten sie aber auch, dass die Schmerzversorgung nach einigen Eingriffen schlicht vernachlässigt werde.
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