16.10.2020

RWI-Paper: Zentralisierung ohne Rückzug aus der Fläche

Berlin – Die Coronapandemie wird die finanzielle Situation der Kliniken verschärfen. Deswegen muss jetzt gegengesteuert werden. Dieser Auffassung sind Prof. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, und Prof. Christoph M. Schmidt, Präsident der Einrichtung. Unter dem Titel „Nach Corona: Jetzt stabile Krankenhausstrukturen schaffen“ geben sie Handlungsempfehlungen.

RWI-Paper: Zentralisierung ohne Rückzug aus der FlächeDas Patientenwohl gehöre dabei nach ganz oben, sagen die Autoren. Essenziell seien zudem eine hohe Versorgungseffizienz und eine flächendeckende Erreichbarkeit.
Die Autoren schlagen als Basis eine Änderung des gesetzlichen Ordnungsrahmens, gegeben durch das SGB V, vor. Außerdem machen sie sich für Zentralisierung und Spezialisierung stark. „Durch gute ambulante wohnortnahe Angebote gepaart mit einer intelligenten digitalen Vernetzung mit den medizinischen Zentren sowie einer Aufrüstung des Rettungsdiensts können auch ländlich geprägte Regionen weiterhin gut versorgt bleiben“, glauben die Wissenschaftler. Daran schließt sich die Empfehlung nach einer Stärkung sektorenübergreifender Versorgung an. Dabei könnten regionale Gesundheitsbudgets helfen, die sowohl ambulante als auch stationäre Leistungen umfassen. Im Gegenzug zu kontrollierbaren Qualitätszielen könnten lokale Akteure eine größere Gestaltungsfreiheit erhalten.
Als wichtig erachten die Wissenschaftler, dass Transparenz über Kapazitäten gewährleistet wird. Die Anzahl von zum Beispiel Intensivbetten, Beatmungsgeräten, Testkapazitäten und Laboren müsste den politischen Verantwortlichen jederzeit bekannt sein. Notwendig seien außerdem Risikokonzepte für verschiedene Katastrophenszenarien.
Digitalisierung sei ebenfalls ein entscheidender Faktor. Dabei geht es Augurzky und Schmidt nicht nur um die elektronische Patientenakte. Lernende künstliche Intelligenz könnte als „Beraterin und Begleiterin des Bürgers auf dem Weg durch das Gesundheitswesen“ dienen, schlagen sie vor. All diese Empfehlungen erforderten gutes Personal. Um das zu sichern und vorzuhalten, müsse die Attraktivität der Gesundheitsberufe erhöht werden.
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