20.07.2012

Report: Zu viel Mobilität kann psychisch krank machen

Berlin – Gut zwei Tage im Jahr ist jeder Beschäftigte in Deutschland aufgrund einer psychischen Diagnose krankgeschrieben. Auch Pendeln zur Arbeit und häufige Wohnortwechsel können dafür Gründe sein, geht aus dem Gesundheitsreport 2012 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Der Bericht der Krankenkasse zeigt, dass die psychisch bedingten Fehlzeiten 2011, wie bisher in allen Jahren seit Beginn der TK-Gesundheitsberichterstattung, deutlich um 6,3 Prozent gestiegen sind. Besonders betroffen sind Beschäftigte in Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg. Ein erhöhtes Risiko haben laut TK auch diejenigen, die in Dienstleistungsberufen wie etwa als Callcenter-Mitarbeiter, Pflegepersonal und Erzieher arbeiten. „Dass diese Berufe häufiger von Frauen ausgeübt werden, ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass weibliche Erwerbspersonen seelisch belasteter sind“, sagt Prof. Norbert Klusen, Vorsitzender des TK-Vorstandes. Als Grund dafür sieht die TK unter anderem eine Mehrfachbelastung vieler Frauen durch Beruf, Familie und Pflege von Angehörigen.
Als Risikofaktor für psychische Probleme hat der Report aber auch die Mobilität im Arbeitsleben ausgemacht. Erstmals wurden Daten zur Entfernung von Wohn- und Arbeitsort der Beschäftigten herangezogen. Die Zahlen zeigen, dass Berufspendler mit 12,7 Tagen im Jahr zwar geringfügig weniger krankgeschrieben sind als wohnortnah arbeitende Erwerbstätige mit 12,9 Tagen. Pendler seien jedoch mit 2,2 Fehltagen pro Kopf häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen als andere Beschäftigte (1,9 Tage), analysiert Dr. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover (ISEG). Grund sei Stress – etwa durch einen zu vollen und lauten öffentlichen Nahverkehr oder im Auto Staus oder der Drang, schnell nach Hause zu kommen. Psychisch krank machen können dem Report zufolge auch zu viele Wohnortveränderungen, besonders bei älteren Menschen. Bei drei Wechseln in drei Jahren verdopple sich das Risiko psychischer Erkrankungen, sagt Grobe. Laut TK ist es deshalb wichtig, dass sich die betriebliche Gesundheitsförderung auch verstärkt den Anforderungen einer immer mobileren und flexibleren Arbeitswelt widmet. So sollten Betriebe auch moderne Kommunikation so nutzen, dass sie die Gesundheit der Beschäftigten nicht nur belasteten, sondern Arbeit auch gesünder gestalteten. Das sei etwa mit einer flexibleren Arbeitszeitgestaltung, Home Office-Angeboten sowie Telefon- und Videokonferenzen möglich. Auch sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern verstärkt Trainingsangebote im Betrieb anbieten, heißt es.
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