26.03.2013

Prostatakrebs: Genetische Ursachen entdeckt

Berlin – Prostatakrebs ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters, doch etwa zwei Prozent aller Fälle treten bei Männern unter 50 Jahren auf. Ein deutsches Forschungskonsortium hat nun entdeckt, dass die Erkrankungen in frühen und die in späteren Lebensjahren unterschiedliche molekulare Ursachen haben.

„Die Erbgutveränderungen bei frühem Prostatakrebs unterscheiden sich deutlich von denen in Tumoren, die erst im höheren Alter auftreten“, sagt Dr. Jan Korbel aus dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Bei den jüngeren Patienten scheine es so zu sein, dass männliche Geschlechtshormone die Krebsentstehung oder das -wachstum förderten. Bei den älteren dagegen seien keine Mutationen, die auf einen solchen hormonellen Zusammenhang schließen ließen, gefunden worden. Um die Hypothese zu belegen, dass männliche Geschlechtshormone bei der Entstehung von frühem Prostatakrebs eine Rolle spielen, untersuchten die Forscher 10.000 Prostatakrebs-Biopsien auf ihren Gehalt an Rezeptoren für männliche Geschlechtshormone. Demnach geht bei Männern ab 50 die Menge dieser Rezeptoren zurück. „Also können Testosteron und verwandte Hormone mit zunehmendem Alter bei der Krebsentstehung immer weniger eine Rolle spielen. Wir haben erstmalig bei einer häufigen Krebserkrankung einen altersabhängigen Entstehungsmechanismus entdeckt“, sagt Prof. Holger Sültmann aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Das Forscherteam leitet daraus eine weitreichende medizinische Bedeutung ab. So könnte als Maßnahme zur Krebsfrüherkennung im Blut von Männern nach Zellen mit den charakteristischen Rearrangements im Erbgut gefahndet werden. Auch eine präzisere Krebsdiagnostik bei jüngeren Männern wäre anhand der Erbgutveränderung denkbar.
Die Untersuchung ist Teil des Internationalen Krebsgenom-Konsortiums. Am Projekt „Früher Prostatakrebs“sind die Martini-Klinik und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das EMBL, das DKFZ, das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg sowie das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin beteiligt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,5 Millionen Euro gefördert.
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