21.02.2020

Praxisbesuche: Persönliche Einstellungen wichtiger als Arztdichte

Essen – In bestimmten Regionen Deutschlands nehmen die Menschen deutlich häufiger ambulante ärztliche Leistungen in Anspruch als anderswo. Mit Anreizen für Ärzte versucht die Politik daher, überall eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Eine neue Studie legt nahe, dass die Gründe für die Unterschiede jedoch eher an anderer Stelle liegen.

Praxisbesuche: Persönliche Einstellungen wichtiger als ArztdichteDie Deutschen sind bekannt dafür, dass sie wesentlich häufiger zum Arzt gehen als andere. Doch warum gehen Menschen in Hamburg und anderen Metropolregionen so viel öfter zum Haus- oder Facharzt als in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt? Dieser Frage ist das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung gemeinsam mit der niederländischen Universität Tilburg in einer aktuellen Studie nachgegangen.
Die Wissenschaftler kommen darin zu dem Urteil, dass die Gründe für die mitunter großen regionalen Unterschiede von bis zu 30 Prozent in erster Linie bei den Patienten selbst zu suchen sind. Entscheidend sind demnach neben dem Gesundheitszustand auch kulturelle Unterschiede und die persönliche Einstellung eines Patienten. „Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Menschen in Ostdeutschland durchschnittlich deutlich weniger ärztlich behandelt werden als im Westen“, sagt Ansgar Wübker, Gesundheitsökonom des RWI und einer der Autoren der Studie.
Die Wichtigkeit dieser sogenannten Nachfrage-Aspekte beziffert die Studie auf über 90 Prozent. Die regionale Dichte entsprechender Praxen sowie deren Ausstattung spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Erklärungen, die die regional unterschiedliche Frequentierung von niedergelassenen Ärzten vor allem auf fehlenden Zugang für die Patienten zurückführen, weisen die Wissenschaftler daher zurück. Und sie leiten aus ihren Ergebnissen direkte Auswirkungen auf die Politik ab: „Unsere Studie macht deutlich, dass ein höheres Angebot an Ärzten nicht automatisch dazu führt, dass Patienten öfter zum Arzt gehen“, sagt Wübker.
Für die Studie wurden die Daten von insgesamt 6,3 Millionen Versicherten der Betriebskrankenkassen ausgewertet.
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