19.12.2008

Prävention wird steuerlich absetzbar

Berlin – „Aus der Forschung in die Praxis“ lautete das Thema einer Diskussionsrunde der Helmholtz-Gemeinschaft kürzlich in Berlin. Wissenschaftler legten beeindruckend dar, welches Potenzial in der Prävention steckt.



Den Part für das Bundesgesundheitsministerium übernahm die Parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk. Sie entschuldigte sich für ihre nur kurze Anwesenheit, die der Abstimmung im Bundestag geschuldet sei. Schließlich werde dort, zwar ganz versteckt und nicht wie ursprünglich gewollt, auch eine Präventionsmaßnahme beschlossen: Betriebliche Prävention wird steuerlich absetzbar.
Ansonsten mahnt die Sozialdemokratin eine Screeningkultur an, wie man sie aus den skandinavischen Ländern kenne. „Ich muss mich auf einer internationalen Veranstaltung mit dem Vorwurf konfrontieren lassen, dass die Ergebnisse bei Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland viel schlechter sind als in Skandinavien“, so Caspers-Merk. Es würden dreimal so viele Abstriche in der Frauenarztpraxis gemacht, aber die Ergebnisse seien viel schlechter, Erkrankungen werden häufig nicht rechtzeitig erkannt.

Ein optimales Ergebnis könne man zum Beispiel mit der HPV-Impfung nur erreichen, wenn auch die Abstriche qualitätsgesichert vorgenommen würden. Zudem beklagt sie, dass von den herkömmlichen Präventionsangeboten der Krankenkassen gerade diejenigen Versicherten profitierten, die sowieso schon gesundheitsbewusst seien, nämlich 35- bis 50-jährige Frauen aus der Mittelschicht. Die soziale Unterschicht, die Prävention am dringendsten nötig hätte, erreiche man zurzeit noch nicht. Es sei kein Ruhmesblatt, dass es der Großen Koalition in dieser Legislaturperiode nicht gelungen sei, ein Präventionsgesetz zu verabschieden. „Ich glaube, dass sich Prävention rechnet und einen Return on Investment bringt“, so die Sozialdemokratin. Sie konnte nicht mehr hören, was Prof. Karl Einhäupl, Neurologe an der Charite, von dieser Ansicht hält. Einhäupl offen: „Damit können wir eine Tüte Legenden füllen. Die Frage, was spart das Gesundheitssystem, ist eine dumme Frage. Prävention kostet nur, abgesehen von Impfungen für Kinder. Wir sollten uns dazu bekennen, weil wir dadurch länger leben.“
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