26.03.2013

Multiple Sklerose: Prävalenz höher als bisher angenommen

Berlin – Die Anzahl der Menschen, die in Deutschland an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, ist deutlich größer als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Diagnose- und Verordnungsdaten von Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgewertet hat.

„Die bisher verfügbaren Daten scheinen das epidemiologische Ausmaß der Erkrankung deutlich zu unterschätzen“, sagt Studienautorin Dr. Gabriele Petersen vom Bundesversicherungsamt auf dem Methodenworkshop der Arbeitsgruppe „Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten“ (AGENS). Nach ihrer Berechnung erhielten 199.505 Versicherte im Jahr 2010 mindestens einmal eine Diagnose „Multiple Sklerose“ nach der ICD-Klassifikation G35. Die Fachliteratur und auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) gingen dagegen von 120.000 bis 140.000 Erkrankten aus. Die bisherigen Daten fußten auf Hochrechnung kleinräumiger, selektiver Erhebungszentren, so Petersen.
Nach den neuen Erkenntnissen liege die Prävalenz bei 0,29 Prozent, rund 70 Prozent der Erkrankten seien Frauen. Lediglich 49 Prozent der MS-Patienten erhielten eine Pharmakotherapie, die Verordnung von Arzneimitteln nehme mit dem Alter deutlich ab.
Die Auswertung der Daten habe zudem ein deutliches West-Ost-Gefälle zu Tage gebracht, sagt Petersen. Während in westlichen Regionen 300 bis 600 MS-Erkrankte auf 100.000 Versicherte kämen, seien es im Osten unter 200. 48,3 Prozent der Patienten im Westen und 50,2 Prozent der Betroffenen im Osten erhielten eine Arzneimitteltherapie. Dabei gebe es für die Erkrankten im Osten allerdings deutlich geringere Tagesdosen als für Patienten im Westen. „Die regionalen Unterscheide sowohl bei der Prävalenz als auch beim Verordnungsverhalten sind epidemiologisch nicht eindeutig zu erklären“, sagt Petersen. „Sie weisen aber auf deutliche Unterschiede in der medizinischen Versorgung hin.“
Die Studie basiert auf Datenmeldungen (ambulante und stationäre Diagnosen, ambulante Versorgungsdaten) für den Risikostrukturausgleich aus dem Jahr 2010 und umfasst alle gesetzlich Krankenversicherten, also gut 71 Millionen Menschen in Deutschland. Die AGENS ist bei der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) und der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) angesiedelt. Sie versteht sich als Forum für Wissenschaftler, Politiker und weitere Interessierte, die Sekundärdaten, vor allem Daten der Sozialversicherungsträger, nutzen.
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