20.03.2015

Mit der Spielkonsole wieder standhaft

Tübingen (pag) – Videospiele mit Bewegungssteuerung sind ein neuer Therapieansatz zur Sturzprävention bei Menschen mit Parkinson. Mit drei Trainingseinheiten pro Woche sollen diese Fitness-Spiele, sogenannte Exergames, Bewegungsabläufe verbessern und die Freude am Rehabilitations-Training erhöhen. Dies ist auch Thema der 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) in Tübingen.

Mit der Spielkonsole wieder standhaftMenschen mit Morbus Parkinson können mithilfe von Exergames verlorene Bewegungsabläufe wieder neu erlernen. Sechs Pilotstudien haben gezeigt, dass Teilnehmer mit Parkinson im Frühstadium ihre Bewegung durch virtuelles Tennis, Bowling, Skislalom oder diverse Balancespiele ähnlich verbessern wie Kontrollpatienten, die herkömmliche Physiotherapie erhielten.
„Dabei machen die Spiele den meisten Teilnehmern mehr Spaß“, sagt Dr. Matthis Synofzik, Oberarzt und Forschungsgruppenleiter der Abteilung für Neurodegeneration am Universitätsklinikum Tübingen. „Denn sie ermöglichen ein abwechslungsreiches Training, das jederzeit zu Hause, mit Freunden oder dem Ehepartner durchführbar ist.“ Der Weg zum Reha-Zentrum bleibe den Betroffenen dabei erspart. Das sei ein großer Vorteil für Menschen mit schweren Bewegungsstörungen. „Exergames sollen die Physiotherapie aber nicht ersetzen“, betont der Neurologe. Sie seien jedoch eine empfehlenswerte Ergänzung, die nicht an Verordnungen geknüpft ist, so Synofzik.
Bereits 2012 haben Neurologen gezeigt, dass videospiel-basiertes Rehabilitationstraining zur Sturzprävention bei älteren Menschen beiträgt. Denn das gealterte Gehirn kann Tempo und Ausmaß von Schritten und anderen Bewegungsabläufen schlechter einschätzen als das jüngerer Menschen. Stolperfallen im Boden entgehen der Aufmerksamkeit, da die Konzentration sich stärker auf das Gehen richten muss. Insbesondere bewegungsgesteuerte Tanzspiele sollen laut einer Studie die Bewegungsnetzwerke im Gehirn wieder fit machen.
Es gebe Anlass zur Hoffnung, dass Exergames einen neuen Reha-Ansatz für eine ganze Reihe neurologischer Erkrankungen böten – nicht nur im Alter und bei Parkinson, auch bei Multipler Sklerose oder Schlaganfall-Patienten sei ein erfolgreicher Einsatz denkbar, so Prof. Dr. Holger Lerche, Facharzt für Neurologie und Kongresspräsident. „Dennoch müssen wir die bisherigen Ergebnisse in groß angelegten Studien mit verschiedenen Patientengruppen bestätigen.“
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