16.10.2020

MB: Werteorientierte Medizin statt Verdrängungswettbewerb

Berlin – Mehr Kooperation, Vernetzung und Bedarfsgerechtigkeit – das fordert die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) in einem Positionspapier zur Zukunft der Krankenhausversorgung.

Eine „tragfähige Balance“ zwischen flächendeckender Grundversorgung und Spezialisierung vermisst der MB bei den hiesigen Klinikstrukturen. Stattdessen gebe es einen ruinösen Verdrängungswettbewerb. In dem Positionspapier wird eine grundsätzliche Neujustierung verlangt: „Wir brauchen eine werteorientierte Medizin in den Krankenhäusern, mit ausreichend Zeit für die individuelle Behandlung und Betreuung der Patienten“, heißt es.

Die MB-Bundesvorsitzende Dr. Susanne Johna mahnt eine aktive und stringente Krankenhausplanung an. „Davor dürfen sich die Länder nicht länger drücken.“ Kleinere Häuser im ländlichen Raum sollten durch Facharztkompetenz auch aus dem ambulanten Bereich unterstützt werden, etwa durch Kooperationsverträge zwischen Krankenhausträger, Krankenhausärzten und Vertragsärzten. Wo eine solche Kooperation nicht möglich sei, müsse das Krankenhaus einen ambulanten fachärztlichen Versorgungsauftrag bekommen. Als Beispiel für eine örtliche Bündelung der medizinischen Versorgungsangebote nennt der Bund Campuskonzepte. „Die Festlegung von Versorgungsstufen im Krankenhausplan sollte verpflichtend sein und nach bundesweit einheitlichen Kriterien erfolgen“, ergänzt Johna.

Weitere Reformvorschläge: Bund und Länder tragen gemeinsam Verantwortung für eine ausreichende Finanzierung der Investitionskosten. Das pauschalierte Abrechnungssystem wird durch ein neues System ersetzt: Die Gewerkschaft macht sich stark für ein kombiniertes System aus Deckung krankenhausindividueller Personalausgaben und Vorhaltekosten sowie Abrechnung landeseinheitlicher pauschalierter Sach- und Betriebskosten. Die Vorhaltekosten sollen entsprechend der Versorgungsstufe eines Krankenhauses als leistungsunabhängige Pauschale von den Krankenkassen finanziert werden.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands lehnt das Positionspapier ab, weil dieses eine „Sektorenegozentrik“ weiter konserviere.
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