16.09.2020

Künstlicher Organismus versorgt Spenderlebern mit Blut

Leipzig – Mehr Sicherheit für Patienten und weniger Zeitdruck für Ärzte – das soll ein vollautomatisiertes Organperfusionsgerät am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) bieten. Dieses kommt zum Einsatz, um Spenderlebern länger „frisch“ zu halten.

„Die Spender werden älter und kränker und damit auch ihre Lebern“, erläutert Dr. Sebastian Rademacher, Oberarzt des Bereichs hepatobiliäre Chirurgie und viszerale Transplantation am UKL. Vorschädigungen treten damit immer häufiger auf. 15 bis 30 Prozent aller gespendeten Lebern in westlichen Industrieländern könnten aufgrund solcher Vorschädigungen gar nicht erst transplantiert werden. Mithilfe des neuen Gerätes, das über Kanülen und Schläuche die Spenderleber mit nährstoff- und sauerstoffreichem Blut durchspült und es auf diese Weise frisch hält, prüfen Mediziner auch diejenigen Organe, die sie bisher aussortiert hätten, erklärt Rademacher. Nach vier Stunden in dem künstlichen Organismus könne man feststellen, ob das Organ funktioniere oder nicht. Dies schaffe mehr Sicherheit für die Patienten.
Neben der Hoffnung auf mehr taugliche Spenderlebern bringt das Organperfusionsgerät Ärzten aber auch einen erheblichen Zeitgewinn: Durch die Maschine kann die Leber bis zu 24 Stunden versorgt werden. Unter anderen Umständen bleiben den Transplanteuren in der Regel nur zwölf bis 14 Stunden, um ein entnommenes Organ im neuen Körper zu verpflanzen. Dank des Perfusionsgeräts haben Sie mehr Zeit für die Vorbereitung des Eingriffs.
Aufgrund der hohen Kosten setzen die Mediziner die neue Maschine bislang jedoch nur in ausgewählten Fällen ein, in denen es die größten Vorteile bringt, teilt das UKL mit. Zu diesen Fällen zählten etwa Organe, die bereits relativ lang gelagert wurden, oder Patienten, bei denen die Mediziner aus logistischen Gründen mehr Zeit benötigen.
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