16.09.2020

Künstliche Intelligenz erkennt untergehende Sehzellen

Bonn – Eine präzise Verlaufsbeurteilung der geographischen Atrophie (GA) ermöglicht eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software. Diese wurde von Wissenschaftlern der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn, der Stanford University und University of Utah entwickelt.

Der innovative Ansatz ermöglicht die voll automatisierte Vermessung der atrophischen Hauptläsionen. Dadurch wird der Aufbau der Netzhaut dreidimensional sichtbar. Darüber hinaus, teilt die Uniklinik mit, kann das Forscher-Team die Integrität, also die „Unversehrtheit“ lichtempfindlicher Zellen der gesamten zentralen Netzhaut präzise bestimmen und auch fortschreitende degenerative Veränderungen der sogenannten Photorezeptoren jenseits der Hauptläsionen nachweisen. Die geographische Atrophie ist eine Erkrankung der lichtempfindlichen Netzhaut infolge altersabhängiger Makuladegeneration, besser bekannt als AMD. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung in den Industrienationen. Die Erkenntnisse sollen für die Wirksamkeitsbeurteilung neuer innovativer Therapieansätze genutzt werden. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „JAMA Ophthalmology“ erschienen.

Nach den Ergebnissen ist die Unversehrtheit der lichtempfindlichen Zellen außerhalb der Areale der geographischen Atrophie prognostisch für das zukünftige Fortschreiten der Erkrankung. „Möglicherweise ließe sich daher die Ausweitung von Hauptläsionen durch Therapieansätze verlangsamen, welche die umgebenden lichtempfindlichen Zellen schützen,“, sagt Prof. Monika Fleckenstein vom Moran Eye Center der University of Utah in USA, Initiatorin der in Bonn durchgeführten Verlaufsstudie zu GA. Die vollautomatisierte, präzise Analyse feinster, mikrostruktureller Veränderungen in den Daten der sogenannten optischen Kohärenztomographie mittels KI stelle einen wichtigen Schritt in Richtung personalisierte Medizin für Patienten mit AMD dar, so Dr. Maximilian Pfau von der Universitäts-Augenklinik Bonn. „Weiterhin wäre es sinnvoll, Therapiestudien aus der Vergangenheit mit den neuen Methoden erneut auszuwerten, um auch mögliche Effekte auf die Photorezeptor-Integrität zu beurteilen.“
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter