11.07.2018

Krebs bei Kindern: Strahlentherapie verbessert die Heilungschancen

Weimar – Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) stellt fest, dass die Strahlentherapie bei Krebserkrankungen im Kindesalter immer effektiver und sicherer wird, gerade mit Blick auf die Langzeitfolgen. Moderne Techniken der Bildgebungen ermöglichten eine genaue Festlegung der Bestrahlungsziele und Volumina. Umliegende Organe könnten besser als früher geschont werden.

Krebserkrankungen im Kindesalter seien heute bei dem größten Teil der Patienten heilbar. Mittels moderner Bestrahlungstechniken (IMRT, 3D-RT und IGRT) würden bereits seit einigen Jahren individuelle, an den Tumor angepasste Bestrahlungen geplant und durchgeführt.
Neben der konventionellen Photonenstrahlung (elektromagnetische Strahlung bzw. Röntgen- oder Gammastrahlung) werde seit einigen Jahren zunehmend die Partikeltherapie (Bestrahlung mit geladenen Teilchen) eingesetzt, zu der auch die Protonenstrahlung gehört. Partikelbestrahlung biete in bestimmten Situationen Vorteile gegenüber Photonen, da durch den steilen Dosisabfall besonders das tumorumgebende gesunde Gewebe geschont wird, so die DEGRO. Aufgrund der biologisch-physikalischen Eigenschaften der Protonenstrahlung könnten auch Tumoren effektiv, präzise und nebenwirkungsarm zerstört werden, die unmittelbar an gesundes oder besonders strahlenempfindliches Gewebe angrenzen, zum Beispiel bei Hirntumoren an Augen, Sehnerven, Hypocampus, Hypophyse und nicht betroffene Hirnanteile oder bei Sarkomen im Becken an Dünndarm, Dickdarm, Eierstöcke, Knochen oder Hüften.
Mit Partikelstrahlung könne die Strahlendosis künftig möglicherweise auch bei inoperablen, strahlenunempfindlicheren Tumoren gesteigert werden, um eine bessere lokale Kontrolle zu erzielen, und zwar ohne die Nebenwirkungen oder Spätfolgen an den Risikoorganen zu erhöhen. „Ein weiterer Vorteil ist, dass in ausgesuchten Fällen, etwa bei einem Rückfall, die bestrahlte Region erneut bestrahlt werden kann, was ansonsten oft problematisch ist“, erklärt Prof. Karin Dieckmann, Vize-Klinikleitung der Uniklinik für Strahlentherapie der medizinischen Universität Wien und Sprecherin der APRO (Arbeitsgemeinschaft für pädiatrische Radioonkologie). „Bei Kindern, die sich ja noch im Wachstum und in der Entwicklung befinden, ist es besonders wichtig, gesundes Gewebe einer geringstmöglichen Strahlenbelastung auszusetzen, um strahlenbedingte Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen zu vermeiden“, so Dieckmann.
In Deutschland wird derzeit ein Drittel der krebskranken Kinder, die eine Strahlentherapie benötigen, mit Protonen bestrahlt, die Tendenz ist steigend.
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