18.11.2020

Kommt die Notfallversorgung à la Dänemark?

Berlin – Schon seit Jahren klagen Krankenhäuser, dass zu viele Patienten den direkten Weg in die Notaufnahme wählen. Dadurch fehlen Zeit und Personal für echte Notfälle. Wie lassen sich die Patienten besser steuern und was kann Deutschland von seinem Nachbar Dänemark lernen? Darüber diskutieren Experten aus der stationären und der ambulanten Versorgung bei einer Online-Veranstaltung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.

Anders als in Deutschland benötigen Patienten in Dänemark eine Voranmeldung, bevor sie in einem Notfallzentrum oder einer Bereitschaftspraxis behandelt werden, erläutert Prof. Michael Hansen-Nord vom Universitätsklinikum Odense. Diese kann telefonisch über eine Leitstelle, den Hausarzt oder den Rettungsdienst erfolgen. Auf diese Weise sollen die Patienten direkt der passenden Versorgungsebene zugeordnet werden, Kliniken und Praxen können ihre Kapazitäten besser planen.
Prof. Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin kann sich ein ähnliches System auch für Deutschland vorstellen. „Wir brauchen eine Steuerung hin zu der am besten qualifizierten Stelle“, sagt Busse, der die „unnötige Hospitalisierung“ in deutschen Krankenhäusern bemängelt. „45 Prozent von denen, die in die Notaufnahmen reingehen, werden stationär aufgenommen.“ Dieser Wert sei im internationalen Vergleich extrem hoch. Busse begründet ihn mit einer zu großen Zahl an Krankenhausbetten und ungenügender Qualifizierung in vielen Notaufnahmen.
Wie sich die Notfallversorgung konkret verbessern lässt, will die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) in ihrem Projekt „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“ erproben, das Anfang 2021 in drei Modellregionen starten soll. Ziel ist es, die verschiedenen Versorgungsebenen besser miteinander zu verzahnen und Kapazitäten auch im ambulanten Bereich nutzbar zu machen. Helfen sollen dabei unter anderem digitale Assistenzsysteme: So soll der Rettungsdienst beispielsweise nicht nur stationäre, sondern auch ambulante Einrichtungen anfahren können, die zuvor entsprechende Ressourcen über die Plattform IVENA übermittelt haben.
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