20.12.2011

Keine Kostenexplosion durch alternde Gesellschaft

Berlin – Die steigende Lebenserwartung der Menschen führt nur zu moderat höheren Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Zu diesem Ergebnis kommt der Versorgungs-Report 2012 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der sich der „Gesundheit im Alter“ widmet.
Nach Berechnungen des Gesundheitsökonomen Prof. Stefan Felder von der Universität Basel steigen die GKV-Ausgaben aufgrund des zunehmenden Anteils Älterer an der Bevölkerung bis 2050 um bis zu 20 Prozent. Das entspreche einem Ausgabenplus von 0,4 Prozent pro Jahr. Zwischen 2005 und 2009 seien die Ausgaben der GKV insgesamt im Jahresmittel um 3,7 Prozent gestiegen. Demnach ziehe die steigende Lebenserwartung zwar höhere Ausgaben nach sich, aber bei weitem nicht im Ausmaß einer Kostenexplosion. „Den Berechnungen liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Behandlungskosten vor dem Tod eines Menschen besonders hoch sind – unabhängig, ob er mit 70, 80 oder 90 Jahren stirbt“, erläutert WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Das hohe Alter spielt auch bei Demenzerkrankungen eine Rolle. Sind zwischen 60 und 64 lediglich ein Prozent der Bevölkerung betroffen, verdoppelt sich die Zahl laut Versorgungs-Report in Schritten von fünf bis sechs Jahren: zwischen 75 und 79 Jahren liegt sie bei 7,5 Prozent, zwischen 85 und 89 Jahren bei 22,5 Prozent und ab dem 100. Lebensjahr bei 40 Prozent. Steige die Lebenserwartung stark an, werde mit der größeren Zahl alter Personen die Zahl der Demenzkranken bis 2050 auf bis zu drei Millionen steigen, so die Prognose. „Demenz muss in der Wahrnehmung der Menschen eine normale Erkrankung werden“, sagt Klauber. „Erste Symptome einer Erkrankung werden oft verleugnet und selbst von den Hausärzten nicht richtig eingeordnet, weil das Thema sehr negativ und vorurteilsbehaftet diskutiert wird.“ Insgesamt müssten sich Ärzte und weitere Gesundheitsberufe mehr Wissen über die Besonderheiten geriatrischer Patienten aneigneten. Rund vier Millionen Patienten über 65 erhielten mindestens ein problematisches Medikament, bei dem die Nachteile den Nutzen überstiegen. 5,5 Millionen seien Risiken durch gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente ausgesetzt. „Die Arzneimitteltherapie für Ältere muss dringend verbessert werden“, fordert deshalb Klauber. „Dazu können evidenzbasierte Therapieempfehlungen, hausärztliche Therapiezirkel und eine auf ältere Menschen zugeschnittene Pharmakotherapieberatung für Ärzte beitragen.“
Im Versorgungs-Report 2012 analysieren 42 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen die ambulante und stationäre Versorgung, die Arzneimitteltherapie, Pflege, Prävention und Palliativmedizin unter dem Blickwinkel der alternden Gesellschaft. Er stützt sich auf Daten von 24 Millionen AOK-Versicherten.
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