21.09.2018

KBV: Trendwende in der Nutzung der Notfallaufnahmen

Berlin – Eine Wende bei der Inanspruchnahme der Notaufnahmen von Kliniken durch die Bürger konstatiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit Verweis auf die kürzlich in Berlin vorgestellte jährliche Versichertenumfrage. 6.000 Menschen sind telefonisch von April bis Juni zur Versorgungssituation in Deutschland befragt worden, erstmals auch zum Thema Digitalisierung.

Seit zwölf Jahren unverändert hoch sind die Zufriedenheitswerte der Bürger – 91 Prozent bringen niedergelassenen Ärzten ein hohes Vertrauen entgegen. Die Wartezeiten seien kein Thema für die Versicherten. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, einen Arztbesuch ohne vorherige Terminvergabe wahrgenommen zu haben, 15 Prozent mussten ein bis drei Tage warten, knapp 40 Prozent über drei Tage. 80 Prozent empfinden die Wartezeit auf einen Termin nicht zu lange. Auch beim Vergleich der Kosten und Leistungen von gesetzlicher und privater Krankenversicherung gibt es laut Umfrage keine großen Unterschiede in der Wahrnehmung. Überraschend sei laut KBV, dass sich ein Drittel der GKV-Versicherten noch gar keine Gedanken zum Thema gemacht habe, ein Viertel siehe keine Unterschiede. Gesetzliche Eingriffe der Politik zur Beseitigung einer Zwei-Klassen-Medizin seien vor diesem Hintergrund nicht nötig, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.
Darüber hinaus würden Notfallaufnahmen der Krankenhäuser weniger in Anspruch genommen. „Zu unserer großen Freude stellen wir fest, dass über die Hälfte der Befragten angibt, wenn sie ärztlichen Rat am Wochenende brauchen, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Hausarzt kontaktieren – 14 Prozent weniger gehen ins Krankenhaus als noch ein Jahr zuvor – das ist eine Trendwende“. Die Verhaltensänderung gehe mit dem medial vermittelten Wissen einher, dass die Kapazitätsgrenze von Notärzten erreicht sei. 51 Prozent geben an, dass die Notaufnahmen sehr häufig unnötigerweise in Anspruch genommen werden, 35 Prozent häufig. Die Entscheidung, mit dem TSVG die Rufnummer 116117 zur zentralen Anlaufstelle für Patienten zu machen, sei daher richtig.

Auch die Belastung der Pflege von Familienangehörigen sowie Chancen und Risiken der Digitalisierung sind Umfragethemen. 57 Prozent – acht Prozent mehr als 2017 – empfindet die Pflege demnach als starke körperliche, 78 Prozent als seelische Belastung und reden mit ihrem Hausarzt darüber, der auf unterstützende Angebote hinweist. Die meisten Digitalangebote können laut Befragten den Arzt bestenfalls unterstützen, aber nicht ersetzen – das gilt für Gesundheits-Apps, aber auch für die Videosprechstunde. Die Menschen wünschen sich den fachkundigen Arzt, der ihnen bei Entscheidungen hilft und die Spreu vom Weizen im digitalen Dschungel trennt“, fasst Gassen zusammen.
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