23.03.2020

Hirntumoren: Bessere Diagnostik mithilfe von Sauerstoff

Berlin – Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sie die Diagnostik von Hirntumoren im Magnetresonanztomografen (MRT) verbessern wollen.

Hirntumoren: Bessere Diagnostik mithilfe von SauerstoffDafür nutzen sie in Versuchen eine nicht radioaktive Form von Sauerstoff, mit der sie die Tumoren im MRT sichtbar machen. Ein vergleichbares Verfahren existiert bislang nur für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Allerdings wird dafür eine radioaktive Sauerstoffvariante benötigt.
Bei ihrem neuen Verfahren machen sich die Wissenschaftler vom DKFZ nach eigenen Angaben eine Besonderheit im Stoffwechsel der Tumoren zunutze. Diese bevorzugen einen anaeroben Stoffwechsel, verwenden also keinen Sauerstoff, auch wenn dieser in ausreichender Menge vorhanden ist. In den Versuchen atmen Probanden den Sauerstoff in angereicherter Form ein. Überall dort, wo er im Gewebe verstoffwechselt wird, geht der Sauerstoff eine Verbindung mit Wasserstoff ein. Im Magnetfeld des MRT wird das entsprechende Gewebe dadurch sichtbar, die Stellen färben sich hell. Die Tumoren erscheinen in der Aufnahme dagegen dunkel. Eine neue Erkenntnis zeichnet sich dabei bereits ab: „Uns hat überrascht, dass dies sowohl bei höhergradigen aggressiven Tumoren als auch bei weniger aggressiven niedriggradigen Tumoren der Fall war“, sagt Daniel Paech, ärztlicher Leiter des 7-Tesla MRT am DKFZ in Heidelberg, das die Methode entwickelt hat.
Das neue Verfahren sei grundsätzlich als Ergänzung zur strukturellen MRT-Bildgebung gedacht. „Die zusätzlichen Informationen könnten künftig dabei helfen, Tumoren anhand ihres besonderen Stoffwechsels noch präziser zu charakterisieren“, wagt Paech einen Ausblick. Auch für die Diagnostik anderer Krankheiten, die mit Veränderung von Stoffwechselvorgängen einhergehen, wie Alzheimer oder Multiple Sklerose, erwarten die Forscher einen Nutzen. Bevor es so weit ist, müssten die Ergebnisse aber noch in klinischen Studien bestätigt werden.
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