24.08.2020

Großkrankenhäuser rechnen mit Verlusten

München – Die Corona-Pandemie fordert Kliniken medizinisch, aber auch wirtschaftlich heraus und verschärft damit in vielen Häusern die ohnehin angespannte Lage. Die Roland Berger Krankenhausstudie 2020 analysiert das zurückliegende Geschäftsjahr und wagt einen Ausblick auf das laufende.

Großkrankenhäuser rechnen mit VerlustenIm Rahmen der Studie wurden laut der Unternehmensberatung Führungskräfte der 600 größten Kliniken in Deutschland befragt. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 berichten demnach 67 Prozent der Kliniken von einer Umsatzsteigerung (Vorjahr: 78 Prozent). Dabei verzeichnen 48 Prozent einen Überschuss, während 32 Prozent rote Zahlen schreiben. Krankenhäuser, die keinem Verbund angehören, sowie solche in öffentlich-rechtlicher Hand befinden sich nach Angaben von Roland Berger besonders häufig im Defizit. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten nur noch 29 Prozent aller Kliniken ein Umsatzwachstum, 57 Prozent rechnen angesichts der Corona-Pandemie zudem mit einem Defizit. Besonders düster fällt der Ausblick unter den Großkliniken mit mehr als 1000 Betten aus. Von ihnen rechnen 72 Prozent mit einem Minus.

Die Großkliniken sind es auch, die laut der Studie im März und April den größten Rückgang in der Bettenauslastung zu verzeichnen hatten. „Bei 75 Prozent der befragten Krankenhäuser reichten die Ausgleichszahlungen nicht aus, um Einnahmeausfälle durch eine geringere Auslastung und coronabedingte Kostensteigerungen aufzufangen“, stellt die Unternehmensberatung fest. Auch eine Mehrheit der kleineren Kliniken vertritt diesen Standpunkt. Um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern, sollten die Krankenhäuser laut Roland Berger ihre Wachstumsstrategie hinterfragen. Statt hauptsächlich auf eine Erlössteigerung im stationären Bereich zu setzen, sollten Kliniken prüfen, „wo die Ergänzung des eigenen ambulanten Angebots sinnvoll ist“. Darüber hinaus empfiehlt die Unternehmensberatung eine schrittweise Digitalisierung sowie „Kooperationen mit benachbarten Kliniken oder eine noch stärkere Zusammenarbeit mit Kliniken aus dem eigenen Verbund“. Auf diese Weise könnten manche Häuser sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.
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