10.12.2018

Gen-Versuch an Embryonen stößt auf Kritik

Peking – Angeblich sind zum ersten Mal zwei genmanipulierte Babys zur Welt bekommen. Als verantwortlicher Forscher gilt der Chinese He Jiankui, der über den Fall in einem Youtube-Video berichtet. Durch den Eingriff seien die Kinder resistent gegen HIV, behauptet er. Der Fall stößt auf internationale Kritik. Medienberichten zufolge hat die Nationale Gesundheitskommission in Peking eine Untersuchung angeordnet.

He Jiankui nennt die Kinder Lulu und Nana. Dabei handele es sich nicht um ihre richtigen Namen. Seinen Angaben zufolge sei ihr Vater HIV-infiziert. Sie seien „so gesund wie andere Babys zur Welt gekommen“, erzählt der Forscher in dem Video. Er ist der Auffassung, dass Genoperationen nur der Heilung dienen sollten. Liebende Eltern würden nicht den IQ oder die Haar- und Augenfarbe ihrer Kinder bestimmen wollen.
Der Deutsche Ethikrat ist trotzdem entsetzt. „Der Einsatz von Genome-Editing am menschlichen Embryo ist zum jetzigen Zeitpunkt und beim derzeitigen Stand der Technik in keiner Weise zu verantworten“, sagt Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, „erst recht nicht ohne einen dringenden medizinischen Grund.“ Der Einsatz neuer gentechnischer Methoden wie CRISPR/Cas9 an Embryonen oder Keimbahnzellen könne Gene dauerhaft und potenziell in allen Körperzellen verändern. Diese Veränderung werde auch vererbt, teilt der Ethikrat mit.
Bislang sei eine klinische Anwendung des Genome-Editings an menschlichen Embryonen international einhellig schon aus Sicherheitsgründen abgelehnt worden, informiert der Ethikrat. Darüber hinaus gebe es erheblichen ethischen und gesellschaftlichen Klärungsbedarf.
„Die hier angeblich behandelten Embryonen hätten sich auch ohne einen solchen Eingriff zu gesunden Menschen entwickeln können. Die Menschheit muss ein Mitspracherecht haben“, meint Dabrock. Bei den Experimenten handele es sich um „unverantwortliche Menschenversuche“. Die Politik müsse sich auf globaler Ebene des Themas annehmen.“

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