22.03.2019

Epilepsie: Hilfe durch Implantat

Freiburg – Epilepsie-Patienten, bei denen Medikamente nicht wirken, könnte künftig ohne Eingriff ins Gehirn geholfen werden. Am Universitätsklinikum Freiburg ist einer Frau Ende Februar eine Anti-Epilepsie-Elektrode direkt unter die Haut implantiert worden, wie die Einrichtung mitteilt.

Epilepsie: Hilfe durch ImplantatAnlässlich einer klinischen Studie platzierten die Ärzte eine dünne Elektrodenmatte direkt unter die Kopfhaut auf den Schädelknochen. Ein Eingriff ins Gehirn sei damit nicht nötig. Die Elektroden sollen das anfallsauslösende Areal im Gehirn präzise stimulieren und so die Häufigkeit und Stärke der Anfälle reduzieren. Das Implantat werde nach einer vierwöchigen Ruhephase eingeschaltet. Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit des Verfahrens seien nach etwa vier Monaten zu erwarten.
„Wir haben die Hoffnung, dass wir damit bislang unbehandelbaren Patienten eine Therapie anbieten können“, sagt Studienleiter Prof. Andreas Schulze-Bonhage vom Epilepsiezentrum des Universitätsklinikums Freiburg. Die Studie werde an fünf Universitätskliniken in Deutschland und Belgien durchgeführt und insgesamt zwölf Patienten einschließen, heißt es.
Durch den Stromfluss werden die Nervenzellen im Anfallsareal leicht negativ geladen, das Ruhemembranpotenzial wird abgesenkt. Dadurch reagieren die Nervenzellen langsamer und die Wahrscheinlichkeit für Anfälle soll verringert werden. Die Elektroden liegen direkt auf dem Schädelknochen und kommen nicht direkt mit dem Gehirn in Kontakt. „Das reduziert deutlich die Gefahr von Komplikationen“, teilt das Universitätsklinikum mit.
„Die Operation dauerte gerade einmal eine Stunde und die Patientin konnte das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen“, sagt Schulze-Bonhage. Sein Kollege Prof. Volker Arnd Coenen, Ärztlicher Leiter der Abteilung für Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, hat den Eingriff durchgeführt.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter