18.11.2020

„Interoperabilität ist etwas Soziales“

Berlin – Interoperabilität ist das Zauberwort, wenn es um die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens geht. Doch wer ist für sie zuständig? Darüber unterhalten sich Experten beim Interoperabilitätstag, den das ZTG – Zentrum für Telematik und Telemedizin in virtueller Form ausrichtet.

„Interoperabilität ist etwas Soziales“Die Gematik will sich nicht den Hut aufsetzen, betont ihr Geschäftsführer Dr. Markus Leyck Dieken in der Diskussionsrunde: „Wir wollen keine führende, sondern eine koordinierende Rolle übernehmen." Denn neben Transparenz und vollständiger Expertise mangeles es an Koordination. Leyck Dieken spricht von der Interoperabilität als Stadion, das die Gematik baut und dort als eine Art Schiedsrichter fungiere – verantwortlich für die Zugangskontrolle und die Einhaltung der Regeln. Einer der nächsten Schritte sei ein Runder Tisch mit den Stakeholdern.
Doch reicht die Koordination aus? „Am Ende benötigt man Entscheidungen, die dazu führen, dass gewisse Standards umgesetzt werden, sodass sie für alle verbindlich sind. Da gibt es im Moment ganz viele unterschiedliche Konzepte“, sagt Dr. Falk Schubert aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) und verweist aufs geplante Dritte Digitalisierungsgesetz. Dr. Kai Heitmann, Director Interoperability beim Health Innovation Hub (HIH) des BMG, verrät, dass der HIH, die Gematik, der Digitalverband Bitkom und der Bundesverband Gesundheits-IT gerade im offenen Prozess an der Fortsetzung ihres Strategiepapiers „Interoperabilität 2025“ arbeiten. Dort werde auch der Zuständigkeitsweg ausgelotet. Es müsse ein Prozess befolgt werden, den am Ende alle Beteiligten mittragen können, so Heitmann. „Interoperabilität ist etwas Soziales“, lautet sein Credo. So sieht es auch Dr. Bernhard Tenckhoff von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: „Eine einzelne Organisation kann nicht den Hut aufbekommen.“ Beim Nutzen geht er allerdings von einem Mehraufwand für die Leistungserbringer aus und erwartet „Anreizsysteme“ für diese.
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