23.04.2018

Digitalisierung und Robotik in der Chirurgie

Berlin – Big Data, Telemedizin und Robotik werden das Bild des Arztes radikal verändern, das ist die Prognose von Prof. Albrecht Stier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Chefarzt des Helios Klinikum Erfurt, anlässlich des 135. Kongresses der Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Digitalisierung und Robotik in der ChirurgieSo würde heute ein Großklinikum in Deutschland an einem Tag elf Terrabyte an Patientendaten speichern. Zwar gebe es derzeit noch keinen Algorithmus, der hilft, Patienten besser zu behandeln. „Dennoch werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass es künftig eine digitale Dublette von unserer Patientenakte geben wird, die auch zum Wohle andere Patienten genutzt wird“, so Stier weiter. Grundlage dieser Entwicklung sei die Miniaturisierung digitaler Technik. In Kürze werde es Kontaktlinsen mit Sensor geben, die unseren Blutzucker messen und die Daten an unser Smartphone weiterleiten. „Der informierte Patient managed seine Gesundheit selbst“, sagt Stier. Durch den Zugriff auf diese Daten sei eine bessere Therapie bei Krankheiten möglich.
Auch verändere sich das Arzt-Patienten-Verhältnis. Behandelnder Arzt und Patient würden sich deutlich weniger sehen, seien aber über die neue Technik besser informiert. Zudem würden sich Operationsverfahren mit dem Einsatz von Robotertechnik stark verändern. „Wir werden virtuelle, dreidimensionale Bild-Präsentationen im OP erleben. Wir arbeiten bereits heute an augenbeweglich gesteuerter Kameraführung – künftig brauchen wir keinen Assistenten mehr bei laparoskopischen Operationen, der die Kamera führt“, so Stier. Diese Assistenzsysteme seien künftig eine große Hilfe. Mit der digitalen Vernetzung könnten Patientendaten verschlüsselt weitergeleitet und auf diese übergreifend von verschiedenen Ärzten und Orten zugegriffen werden. Heute gebe es eine Zentrenbildung, weil bestimmte Fachrichtungen in der Fläche nicht vorgehalten werden können. Mit der neuen Technik könne man trotz der Entwicklung besser kommunizieren. Künftig müsse sich die Medizin vom chirurgischen Alleskönner verabschieden, Spezialisten seien gefragt. Die Digitalisierung werde hohe Kosten mit sich bringen – insbesondere eine kostenintensive Absicherungsmedizin hervorbringen, da Diagnosen auch via Telemedizin gestellt würden – so Jörg Fuchs, Präsident der DGCH. Fachgesellschaften wie die DGCH sollten in den Dialog zur Weiterentwicklung der Digitalisierung mit einbezogen werden, sagt Stier.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter