24.10.2019

Diagnose an psychisch-kranken Avataren

Bochum – Medizinstudenten der Ruhr-Universität Bochum (RUB) führen künftig in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin psychiatrische Untersuchungsgespräche mit Avataren. Sie tragen dabei eine Virtual-Reality-Brille und befinden sich in speziellen Zellen. Die Klinik plant den Einsatz ab dem Sommersemester 2020, informiert die RUB.

Derzeit bestücken die Wissenschaftler die Avatare mit Inhalten. „Sie brauchen eine Vorgeschichte“, erklärt Projektleiterin und Privatdozentin Paraskevi Mavrogiorgou und ergänzt „sie müssen in der Lage sein, gemäß ihrer psychischen Erkrankung auf bestimmte Schlüsselfragen zu antworten.“ Es gebe bereits Hunderte Seiten Anweisungen für Dialoge. Eine Firma, die auf Visualisierungen im Medizinbereich spezialisiert ist, wird die Avatare programmieren. Diese haben entsprechend ihrer psychischen Erkrankung eine typische Körpersprache und Mimik. „Jede dieser Mimikbewegungen muss der Programmierer einzeln gestalten“, schildert Georg Juckel, Ärztlicher Direktor der Klinik. Die virtuellen Patienten sitzen, stehen, liegen oder laufen während des Gesprächs herum. Das sei so ähnlich wie in einem Computerspiel.
Die Avatare sollen die Diagnostik der Medizinstudenten verbessern. „Das ermöglicht es ihnen, mit Patienten aller Krankheitsbilder und Schweregrade zu üben und das Panorama zu erweitern“, erklärt Mavrogiorgou. Die angehenden Ärzte lernen, was der Patient tut. Wie klingt die Stimme? Sieht die Person ihrem Gegenüber in die Augen? Wie ist die Körperhaltung? Tigert er ruhelos herum? Das ändere sich teilweise innerhalb von Millisekunden. Ein erfahrener Arzt könne dies bewerten, Studenten noch nicht. Laut Juckel ist dies das erste Forschungsprojekt dieser Art weltweit.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter