18.11.2020

Diabetes: Neue Versorgungsleitlinie in den Startlöchern

Berlin – Seit zwei Jahren wird an der neuen Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) zu Diabetes Typ 2 gearbeitet. Prof. Jens Aberle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berichtet anlässlich der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) über den aktuellen Stand.

Diabetes: Neue Versorgungsleitlinie in den StartlöchernEnde des Jahres sollen laut des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) die ersten beiden Kapitel zu Partizipativer Entscheidungsfindung und Medikamentöser Therapie publiziert werden. Letzteres enthält laut Aberle eine „kontrovers diskutierte“ Neuerung. Patienten mit einer bestehenden klinisch relevanten Arteriosklerose sollen sofort mit einer Kombinationstherapie aus Metformin und einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder einem SGLT2-Hemmer therapiert werden. Diese Empfehlung stelle eine fundamentale Änderung zu der bisherigen Leitlinie dar – ein „Quantensprung in der Diabetologie “, so Aberle. Bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten könne dieser Behandlungsweg ebenfalls verfolgt werden. Patienten mit einem niedrigen Risiko würden primär mit Metformin behandelt. Insulin soll der neuen Leitlinie zufolge später als bisher eingesetzt werden.

Durch die neue Leitlinie soll die Therapie individueller auf die Patienten zugeschnitten werden. Dies bedeute aber auch mehr Erklärungsbedarf in allgemeinverständlicher Sprache. Hier kommt das Kapitel Partizipative Entscheidungsfindung zum Einsatz, denn es enthält praktische Beispiele für die Arzt-Patienten-Kommunikation, die anhand von klinischen Studien entwickelt wurden. „Die Adhärenz in der Therapie des Typ-2-Diabetes ist generell schlecht“, so Aberle. „Durch eine Teambildung zwischen Therapeut und Patient soll dies verbessert werden.“

Bereits seit Februar 2018 arbeiten 34 Fachgesellschaften an der neuen Version der Patientenleitlinie, die insgesamt zehn Kapitel umfasst. Alle bisherigen Leitlinien zu Typ 2 Diabetes werden dort zusammengefasst. Mitte des Jahres hatte das ÄZQ die ersten zwei Kapitel zur Kommentierung publiziert. Insgesamt 138 Kommentare sind eingegangen, die jetzt ausgewertet und gegebenenfalls berücksichtigt werden.
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