26.03.2013

DGE: Viele Schilddrüsen-Operationen vermeidbar

Düsseldorf – In Deutschland wird häufiger an der Schilddrüse operiert als in allen anderen westlichen Ländern. Zu oft betroffen sind vor allem Patienten mit einem durch Jodmangel entstandenen Kropf, betont die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) im Vorfeld des 56. Symposiums der DGE in Düsseldorf.

Die meisten Operationen nehmen Ärzte wegen einer Vergrößerung der Schilddrüse vor, die Spätfolge eines Jodmangels ist. In der vergrößerten Schilddrüse bilden sich häufig Knoten. „Aufgrund der Befürchtung, dass sich daraus Krebs entwickelt, raten Kollegen hier mitunter voreilig zu einer Operation“, erläutert Tagungspräsident Prof. Dr. Peter E. Goretzki, Chefarzt am Lukaskrankenhaus Neuss. Nicht jeder Knoten bedeute jedoch Krebs, meint er und bemängelt, dass „die Entscheidung für eine Operation mitunter fällt, ohne die diagnostischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft zu haben“. DGE-Informationen zufolge werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Schilddrüsen teilweise oder komplett entfernt. Bezogen auf die Bevölkerung sei die Zahl der Operationen damit drei bis acht Mal höher als in Großbritannien oder den USA. „Doch Deutsche haben nicht mehr Schilddrüsenkrebs als Briten oder Amerikaner, weshalb wir hierzulande offensichtlich ein Missverhältnis zwischen derzeitigen Operationszahlen und tatsächlich notwendigen Eingriffen haben“, so Goretzki. Seiner Meinung nach böten darüber hinaus in Deutschland die meisten Krankenhäuser Schilddrüsenoperationen an – unabhängig von der Expertise der jeweiligen Klinik. Die DGE fordert Leitlinien für die Diagnose und klare Regeln für die Entscheidung zur Operation. Auch die Qualität der Operationen müsse überprüft werden. Vorbild könnten Holland und Schweden sein. Dort würden die Operationsergebnisse der einzelnen Kliniken stetig überprüft und bildeten die Grundlage für die Genehmigung solcher Eingriffe. Eine freiwillige Zertifizierung, die eine leitliniengerechte Behandlung, Forschung und Weiterbildung umfasse, könnte die Qualität von Schilddrüsenbehandlungen in Deutschland künftig deutlich verbessern, meinen die DGE-Experten. „Wichtig für die Qualitätssicherung ist, dass die Entscheidung zur Operation nicht allein vom Chirurgen getroffen wird, sondern in gemeinsamer Absprache mit Endokrinologen, Internisten und Nuklearmedizinern geschieht“, empfiehlt Goretzki. Bei vielen Patienten helfe eine Behandlung mit Jod und Schilddrüsenhormonen oder eine Radiojodtherapie – oft seien sie eine Alternative zur Operation.
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