26.11.2008

Depressionen häufig unzureichend behandelt

Berlin – Experten warnen: Nur rund zehn Prozent der von Depressionen Betroffenen werden fachgerecht behandelt, nur in der Hälfte der Fälle die Krankheit überhaupt erkannt. Vertreter der European Depression Association und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe schilderten auf einer Pressekonferenz anlässlich des 5. Europäischen Depressionstages gravierende Versorgungsprobleme.



Depression sei eine Volkskrankheit, die mit mehr Leidensdruck einhergehe als jede andere Krankheit, so Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Die Todesrate durch Suizid übertreffe die Zahlen der Toten durch Autounfälle, Drogen, AIDS und Morde zusammengenommen bei weitem. Ein Suizid sei aber in den seltensten Fällen ein Freitod, betont Hegerl, sondern zurückzuführen auf eine schwere depressive Erkrankung. „Mit einer herbstlichen Melancholie hat dies nichts zu tun“, sagt der Mediziner. „Das ist ein innerlich kalter, toter Zustand.“ Dieser könne unvermittelt auftreten und jeden treffen – aber auch erfolgreich behandelt werden.

In den verschiedenen Stadien einer Depression dürfe man sich keiner Behandlungsoption – auch nicht den Antidepressiva – verschließen, ergänzte Hinderk Emrich, emeritierter Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Komplexität der Erkrankung verlange nach einer individuellen, abgestimmten Mischung aus verschiedenen Behandlungsmethoden. Neben psychotherapeutischer Gesprächstherapie und medikamentöser Behandlung gibt es inzwischen auch eine Reihe alternativer Methoden wie Licht- und Bewegungstherapie.

Laut Prof. Hegerl ist auch das ärztliche Umfeld optimierungswürdig, obgleich Deutschland im EU-Vergleich gut positioniert sei. Die schlechte Vergütung für Psychotherapeuten, starre und bürokratische Richtlinientherapien sowie eine fehlende Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Psychiatern und Psychotherapeuten seien Gründe für die niedrige Quote an passgerechten Behandlungen. Ein zusätzliches Problem berge laut Hegerl das Patientenverhalten: Depressive Menschen haben oft eine nicht funktionierende Selbstwahrnehmung, wollen andere nicht mit ihrem Leiden belasten und scheuen daher oft den Gang zum Arzt.

www.depressionday.de


Depression
Erklärungen für das Auftreten von Depressionen sind rar. Wissenschaftler weisen auf genetische Veranlagungen hin. Auch psychosoziale Schwierigkeiten wie finanzielle Probleme oder ein persönlicher Schicksalsschlag können Ursache sein. Da Depressionen jedoch nicht immer einen äußeren Auslöser haben, sind Mediziner bei der Ursachenforschung sehr vorsichtig geworden.
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