25.10.2018

Damit die Prothese nicht mehr wie ein Fremdkörper wirkt

Freiburg – Ein internationales Forschungsteam mit Freiburger Beteiligung entwickelt eine spezielle Kodierung für Stromimpulse. Mit ihrer Hilfe sollen Prothesen nicht mehr wie Fremdkörper wirken.

Damit die Prothese nicht mehr wie ein Fremdkörper wirktDas neue Verfahren ermöglicht es Patienten, mit ihrer Armprothese genauer zu greifen und diese natürlicher zu bewegen, teilt die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit. In der Studie entwickeln die Wissenschaftler um Prof. Thomas Stieglitz einen Stimulations-Code, mit dem sich Stromimpulse für das Gehirn so anfühlen, als ob die natürlichen Sensoren der Haut sie erzeugen. Dadurch erkenne der Patient nicht nur die Griffkraft und die Verformbarkeit eines Objekts, sondern greife und bewege es schneller und akkurater, erklärt die Uni. Ein interdisziplinärer Ansatz mit Verfahren aus der Neurotechnik, klinischen Neurologie, Robotik und Computersimulation mache dies möglich.
„Für den Erfolg des Verfahrens haben wir in Freiburg implantierbare Elektroden entwickelt, die dünner als ein menschliches Haar sind“, berichtet Stieglitz. Sie liegen stabil in den Nerven und hätten sich nicht bewegt. „Daher konnten über Monate hinweg Stromimpulse in einer Kodierung an die Nerven übermittelt werden, sodass die beiden Patienten die Prothese nach und nach wie ihren eigenen Arm angenommen und nicht mehr als technischen Fremdkörper gesehen haben“, ergänzt er. Der Wissenschaftler veranschaulicht: „Wenn ich rohe Eier ohne Angst zielsicher greifen kann und weiß, wo meine Hand mit wie viel Kraft gerade zudrückt, dann ist die Frage, wo die Grenze zwischen Mensch und Maschine verläuft.“ Neben Verbesserungen bei Gefühl, Genauigkeit und Geschicklichkeit helfe die Stimulationsstrategie, Phantomschmerzen zu reduzieren. Das Verfahren lasse sich auch auf andere Prothesen übertragen.
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