16.10.2020

Corona-Studie: Wann müssen Infizierte ins Krankenhaus?

München – Eine Studie in München begleitet Corona-Patienten mit einer sogenannten Hybrid-Smartwatch. Ziel ist es, den optimalen Zeitpunkt für einen Krankenhausaufenthalt zu bestimmen und überflüssige Hospitalisierungen zu vermeiden.

Personen mittleren Alters sind mittlerweile die größte Gruppe unter den Corona-Infizierten. Von ihnen haben rund 13 Prozent kardiovaskuläre Vorerkrankungen wie Vorhofflimmern, Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung und Herzschwäche, oder sie haben eine Herz-OP hinter sich oder sind starke Raucher. Die Gefahr, dass Covid-19 einen schweren Verlauf nimmt, ist bei ihnen groß. In der Regel befinden sich die Betroffenen zunächst in häuslicher Isolation. Geht es ihnen schlechter, sind sie häufig unsicher, ob und wann sie ins Krankenhaus gehen sollen.

„Corona-Patienten ohne schwere Symptome können für Krankenhäuser eine große Belastung darstellen, denn sie binden viele Ressourcen, die dann für schwer kranke Patienten fehlen“, sagt Studienleiter Dr. Moritz Sinner von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am LMU Klinikum München. Umgekehrt sei auch für die Corona-Patienten ein unnötiger Krankenhausaufenthalt eine Belastung. Die Studie will deshalb die Notwendigkeit und den optimalen Zeitpunkt für einen Krankenhausaufenthalt ermitteln. Nicht zu früh und nicht zu spät, lautet die Devise. Die Risikopatienten zwischen 40 und 60 Jahren werden dazu mit einer Hybrid-Smartwatch ausgestattet. Mit dieser können sie zweimal täglich, bei Beschwerden auch öfter, ein EKG schreiben und die Sauerstoffsättigung im Blut messen. „Diese Werte sagen zuverlässig etwas über den Gesundheitszustand aus. Sind sie kritisch, wozu eine Sauerstoffsättigung unter 92 Prozent gehört, können die Patienten eine 24-Stunden-Hotline anrufen und mit jemandem aus unserem Team sprechen. Gemeinsam beraten wir dann, ob ein Krankenhausaufenthalt nötig ist“, sagt Dr. Moritz Sinner.

Die Studie wird finanziert vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), ausführende Einrichtung ist das LMU Klinikum München.
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