18.11.2020

Brutkasten für die Lunge

Magdeburg – Den Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie hat die Forschungsgruppe „Experimentelle Thoraxchirurgie“ der Universitätsmedizin Magdeburg bekommen.

Im Rahmen der Forschungsarbeit von Promotionsstipendiatin Isabell Knoblich haben die Wissenschaftler unter dem Titel „Optimierung der Organperfusion in einem präklinischen ex–vivo Lungen-Perfusionsmodell“ ein Versorgungssystem – vergleichbar mit einem „Brutkasten“ – für die Lunge entwickelt. Damit sei es, heißt es in einer Mitteilung, nicht nur möglich, die Lunge als Spenderorgan außerhalb des Körpers optimal zu versorgen, sondern auch neue OP-Techniken und Untersuchungsverfahren am „lebenden“ Organ zu erproben und zu entwickeln. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.
Das ex-vivo-Lungenmodell erlaube die gezielte Modifikation des Systems für alternative Anwendungen. So sei es Ärzten beispielsweise möglich, Gewebekleber, die für den intraoperativen Einsatz am Menschen entwickelt werden, realitätsnah auf ihre Funktionalität zu testen. Die Apparatur fungierte zudem als OP-Simulator und könne für das Training thoraxchirurgischer Eingriffe mit „lebendem“ Organ eingesetzt werden. Zukünftig soll das System außerhalb der Transplantationsmedizin für die Lungenforschung und Therapieentwicklung eingesetzt werden.
Das Modell ist das Ergebnis einer mehrjährigen Forschungskooperation zwischen der Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie (Prof. Thorsten Walles), der Otto-von-Guericke Universität mit dem Forschungscampus Stimulate (Dr. Vojtech Kulvait), dem Forschungslabor Inke (Dr. Axel Böse) und der Core Facility Tissue Engineering (Prof. Heike Walles). Die Forschungsidee wurde bereits 2016 mit dem Hugo-Junkers-Preis für Forschung und Innovation des Landes Sachsen-Anhalt in der Kategorie Angewandte Forschung ausgezeichnet.
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