24.04.2013

Brustkrebs: Ultraschall entdeckt „Intervallkarzinome“

Bonn – Zwischen zwei Röntgen-Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs wachsen bei einigen Frauen Tumore heran, die im Röntgenbild nicht diagnostizierbar waren. Mittels Ultraschall könnten Ärzte viele dieser Intervallkarzinome schon vor dem nächsten Screening entdecken und therapieren. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hin.

Seit 2005 bieten Krankenkassen Frauen die Teilnahme an einem nationalen Mammografie-Screening-Programm an. Erste wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass Mediziner dabei jedoch nicht sämtliche Brustkrebserkrankungen erkennen. So ergab die Datenauswertung von fast 880.000 Screening-Teilnehmerinnen in Nordrhein-Westfalen: Bei über 2.000 zunächst als unauffällig eingestuften Frauen wurde noch vor der nächsten regulären Mammografie Brustkrebs entdeckt. „Einige dieser Karzinome waren bei der ersten Mammografie nicht sichtbar, andere Gewebeauffälligkeiten wurden vielleicht für harmlos angesehen, weitere Tumore werden auch übersehen“, berichtet Prof. Alexander Mundinger, Direktor des Zentrums Radiologie der Niels-Stensen-Kliniken in Osnabrück. Daneben gebe es aber auch echte Intervallkarzinome, die zwischen den Untersuchungsterminen entstehen. „Intervalltumore wachsen häufig sehr schnell, viele sind bei der Diagnose bereits größer als zwei Zentimeter“, so Mundinger. Sind zum Zeitpunkt der Diagnose bereits die Lymphknoten befallen, könnten sich die guten Heilungschancen beim Brustkrebs verschlechtern.

Ultraschalluntersuchung in der Regel Selbstzahlerleistung

Intervallkarzinome treten häufiger bei Frauen mit einer hohen „Brustgewebedichte“ auf. Diese Frauen, die einen vergleichsweise hohen Anteil an Milchdrüsen und Milchgängen und einen geringeren Anteil an Fettgewebe aufweisen, haben allgemein ein höheres Brustkrebsrisiko. Für sie bietet sich ein jährlicher Brustultraschall an. In einer US-Studie hat sich diese, für die Patientin völlig risikofreie Untersuchung, als ebenso effektiv erwiesen wie eine zusätzliche Mammografie im Abstand von nur einem Jahr. „Durch die Kombination beider Verfahren im Abstand von einem Jahr und die Möglichkeit, im Zweifelsfall eine Kernspintomografie anzuschließen, wurde die Zahl der Intervalltumore deutlich gesenkt“, erklärt Mundinger.
Das neue Österreichische Screening-Programm sieht deshalb bei allen Patientinnen mit hoher Brustdichte eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung vor. „Auch die deutsche Leitlinie zur Untersuchung der weiblichen Brustdrüse fordert, dass die Mammografie bei einer dichten Brustdrüse durch eine Ultraschalluntersuchung ergänzt werden sollte“, berichtet Prof. Friedrich Degenhardt, Leiter des DEGUM Arbeitskreises Mammasonografie und Leiter des Brustzentrums Bielefeld-Herford.
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