21.08.2019

Berliner Forscher lassen Zähne nachwachsen

Berlin – Wissenschaftler der TU Berlin lassen aus Zellen extrahierter Zähne neue wachsen. Mit einer besonderen Methode entwickeln sie die Zellen in den Embryonalzustand zurück und regen sie zur Zahnbildung an. Präklinische Test sind der nächste Schritt.

Die Forscher um Dr. Roland Lauster, Professor für medizinische Biotechnologie an der TU Berlin, gewinnen aus dem Inneren extrahierter Weisheitszähne Pulpa-Zellen, die sie so kultivieren, dass sich daraus ein Zahnkeim bildet. Eingepflanzt in den Kiefer eines Patienten kommuniziert er mit dem umliegenden Gewebe und löst die Kaskade an Botenstoffen aus, die die Zahnbildung initiiert. Die Forscher gehen davon aus, „dass auch der menschliche Kiefer lebenslang über die Informationen verfügt, die für das Wachstum neuer Zähne notwendig sind“, erklärt Dr. Jennifer Rosowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe.
Die Pulpa-Zellen bringen die Wissenschaftler mit einer eigenen Methode in den Embryonalzustand: Die einzelnen, gereinigten Zellen kultivieren sie in einer mit Hydrogel beschichteten Mikro-Titerplatte. Die Zellen schwimmen frei im Medium. Weil sie so programmiert sind, dass sie eine dreidimensionale Struktur anstreben, verdichten sie sich selbstständig zu einer Art Zell-Ball.
Die Berliner Forscher hätten als erste Gruppe weltweit nachweisen können, dass die Verdichtung „die Produktion von spezifischen Botenstoffen in Gang setzt“, so Rosowski. Sie seien nötig, um mit dem umliegenden Kiefergewebe zu interagieren. Um das zu belegen, haben die Forscher Zellen aus Zahnfleisch mit den Zahnkeimen kultiviert und konnten die Zahnbildung auslösen. Ansätze konkurrierender Arbeitsgruppen haben mit embryonalen Stammzellen einen Zahn wachsen lassen. Die Berliner nutzen hingegen körpereigene Zellen: Das sei weder ethisch noch rechtlich bedenklich und verhindere Abstoßung, betont Rosowski. Präklinische Test mit den Zahnkeimen stehen bevor.
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