22.10.2012

Amputationen: oft Folge von Diabetes – und zu verhindern

Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist anlässlich des Europäischen Diabetes Kongresses auf die erschreckend hohe Zahl von Amputationen in Deutschland hin. Von den 60.000 Amputationen jährlich sind ca. 40.000 die Folge von Diabetes. Damit liegt Deutschland bei der Rate international im oberen Bereich. Experten gehen davon aus, dass ca. 80 Prozent davon vermeidbar wären.

Voraussetzung dafür wäre eine optimale Blutzuckereinstellung, die frühzeitige Behandlung des diabetischen Fußsyndroms und eine bessere Vernetzung der verschiedenen ärztlichen und nichtärztlichen Spezialisten im ambulanten und stationären Sektor. Von den ca. 40.000 Amputationen als Folge des diabetischen Fußsyndroms erfolgten ungefähr die Hälfte oberhalb des Sprunggelenks. Diese so genannten Majoramputationen stellten eine deutlich stärkere Beeinträchtigung als die unterhalb des Sprunggelenks dar. Die Aussichten dieser Patienten seien schlecht. Innerhalb von vier Jahren werden den Angaben zufolge mehr als die Hälfte der bereits einseitig amputierten Patienten auch auf der Gegenseite amputiert.
Um die Situation zu verbessern, sei eine fach- und sektorenübergreifende Struktur entscheidend, die Diabetologen, Gefäßchirurgen, Orthopäden sowie Diabetesberater, Wundassistenten, Podologen und andere miteinander vernetzt - und zwar in einem vor- und nachstationären Verbund, so die Experten vor der Presse. Wichtig sei es, in spezialisierten Einrichtungen die personelle und räumliche Ausstattung auf diese Patienten auszurichten. Dazu gehöre, Standards und Qualitätsprozeduren einzuhalten und die Behandlungsqualität regelmäßig zu überprüfen. „Wir wissen heute, dass in spezialisierten Einrichtungen deutlich bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen sind“, sagt Prof. Dr. Ralf Lobmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft diabetischer Fuß in der DDG. Die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft zertifiziert seit fast zehn Jahren Kliniken und Praxen für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. Seitdem ist dort eine konstant niedrige Rate von unter vier Prozent der Amputationen oberhalb des Sprunggelenks zu verzeichnen. 269 Einrichtungen in Deutschland sind derzeit zertifiziert.
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