16.01.2020

Adipositas: Neues Behandlungskonzept für Jugendliche entwickelt

Ulm – Eine Studie um Prof. Martin Wabitsch von der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm hat Informationen für eine bessere Behandlung von Jugendlichen mit Adipositas gesammelt und ausgewertet. Rund 200.000 Jugendliche leiden in Deutschland an extremer Adipositas.

Adipositas: Neues Behandlungskonzept für Jugendliche entwickeltIm Zuge der multizentrischen „JA“- Studie wurden 431 junge Menschen von 2012 bis 2019 mit extremer Adipositas in Deutschland untersucht. Die Forscher entwickelten aus den Ergebnissen ein standardisiertes Betreuungs- und Behandlungskonzept sowie eine Checkliste mit Kriterien für einen chirurgischen Eingriff bei extrem adipösen Jugendlichen. Außerdem entstand ein Schulungsprogramm zur Vor- und Nachsorge.
Die Studie umfasste ein Drei-Phasen-Programm, in dem sich die jungen Patienten im ersten Schritt auf ihren körperlichen und psychischen Gesundheitszustand untersuchen lassen konnten. Danach wurde die weitere Betreuung der Patienten festgelegt. Die zweite Phase bestand in einem drei- bis sechs-monatigem Gruppenprogramm mit dem Ziel, die Lebensqualität und Krankheitsakzeptanz der Patienten zu verbessern. In der dritten Phase wurde den Jugendlichen eine individuelle Therapie angeboten. Die Ergebnisse der Studie seien laut Universitätsklinikum Ulm vor allem für Krankenkassen interessant, die auf der Grundlage der Studie besser entscheiden können, für welche Therapie der Patient Unterstützung bekommen sollte.

Laut Universitätsklinikum Ulm sei die Studie weltweit einzigartig, da sich die Rekrutierung von Probanden dieser Patientengruppe schwierig gestalte: „Gerade junge Erwachsene mit extremer Adipositas suchen meist nicht nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Sie fühlen sich diskriminiert und kämpfen in unserer Gesellschaft oft mit Stigmatisierung“, sagt Studienleiter Prof. Martin Wabitsch.„Wird eine extreme Adipositas im Jugendalter nicht behandelt, kann dies zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Depressionen oder orthopädischen Problemen führen“, ergänzt der Kinder- und Jugendarzt.
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