22.02.2010

Abwehrzellen lassen sich umprogrammieren

Berlin – Forscher der Berliner Charité und des Rheumaforschungs-Zentrums haben entdeckt, dass Immunzellen ihre Abwehrhaltung ändern können. So wandeln sie sich beispielsweise vom Viren- zum Bakterien-Bekämpfer. Dies könnte neue Therapien ermöglichen.



Dringen Krankheitserreger in den menschlichen Körper ein, werden so genannte Th-Zellen oder Helferzellen aktiviert. Diese bekämpfen den Erreger mit Hilfe einer speziellen Prägung. Sind beispielsweise Viren der Auslöser für die Immunreaktion, bilden die Zellen eine Prägung zur Virenabwehr aus. Auf diese Weise spezialisieren sich Th-Zellen. Bisher galt dies als unumkehrbar, da die Spezialisierung mittels eines Transkriptionsgens funktioniert. Jede Helferzelle bekommt damit eine individuelle Prägung, den so genannten Schlüssel-Transkriptionsfaktor. Nun haben Wissenschaftler um Prof. Max Löhning von der Charité in Berlin herausgefunden, dass die Programmierung auf einen bestimmten Erregertyp nicht starr ist. Mittels Experimenten an Mäusen konnten sie zeigen, dass die Th-Zellen zumindest neben ihrer ersten Prägung eine zweite erhalten können. Löhning injizierte Mäusen bereits auf Parasiten geprägte Zellen, setzten die Tiere aber anschließend einer Virusinfektion aus. Die Helferzellen spezialisierten sich dadurch auch auf Viren, verloren die Prägung gegen Parasiten aber nicht. Die Forscher schlossen daraus, dass sich neue Hybridtypen bilden, die das Abwehrpotenzial beider Untertypen vereinen. Diese Hybriden erwiesen sich in der Untersuchung als stabil, auch Monate nach dem Experiment waren sie in dieser Weise geprägt. Löhning hofft nun, dass diese Erkenntnis neue Wege in der Therapie immunologischer Krankheiten aufzeigt. So könnten die Hybriden beispielsweise eingesetzt werden, um Allergien und Asthma einzudämmen. Beide treten immer häufiger auf, weil die auf Parasiten geprägten Th-Zellen gleichzeitig diese Leiden verursachen. Hybriden könnten weiterhin wirksam sein, aber die Allergien nicht mehr befördern, so Löhning.
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