18.11.2020

3-D-Blick in den Tumor

Wien/München – Bisher werden Tumore anhand dünner Schnitte analysiert. Die Technische Universität (TU) Wien hat zusammen mit der Technischen Universität München eine Technik entwickelt, die erstmals ganze Stücke des Tumors in 3-D sichtbar macht.

Die Innovation soll der TU Wien zufolge „eine Revolution in der Pathologie einleiten“. Konkret ist es den Medizinern gelungen, Tumorgewebe durchsichtig zu machen und mit einem speziellen Ultramikroskop zu durchleuchten. So kann ohne Schnitt das gesamte entnommene Gewebe in 3-D analysiert werden. Die Zuverlässigkeit der Diagnose soll dadurch nach Angaben der TU Wien deutlich gesteigert werden. Die neue Technik wurde im Fachjournal „Nature scientific reports“ veröffentlicht.

Inna Sabdyusheva hat anlässlich ihrer Dissertation (universitätsübergreifend, an der TU Wien und dem Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien) ein chemisches Verfahren entwickelt, mit dem man Brustkrebs-Proben „klären“ kann: Sie werden durchsichtig, die Struktur bleibt aber unverändert, und die Krebszellen sind nach wie vor zu erkennen. Mithilfe eines Lichtblattes wird im Ultramikroskop Schicht für Schicht analysiert. Das chemische Verfahren, auf der Inna Sabdyushevas Arbeit beruht, wurde an der TU Wien von Klaus Becker entwickelt. Eine spezielle Optik, mit der sich besonders lange und dünne Lichtblätter erzeugen lassen, war in derselben Arbeitsgruppe von Saideh Saghafi konstruiert worden. Die neue 3-D-Tumormikroskopie soll die Arbeit in der Pathologie wesentlich erleichtern. „Anstatt eine große Anzahl histologischer Schnitte unter dem Mikroskop zu inspizieren wird man in der Pathologie in Zukunft ähnlich wie in der Radiologie am Bildschirm mit der Maus durch die Bilder scrollen können“, sagt Prof. Hans-Ulrich Dodt vom Institut für Festkörperelektronik der TU Wien. Die gewaltige Menge an Bilddaten, die dabei entsteht, eröffne zusätzlich neue Chancen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dodt: „Vielleicht könnten so in Zukunft deren Programme die Tumordiagnostik beschleunigen und vereinfachen.“
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