05.10.2020

Neurologische Bewegungsstörungen: Neues System zur Tiefen Hirnstimulation ermöglicht bessere Versorgung der Patienten

Erstmals können rund um die Uhr Gehirnsignale von Patienten erfasst und vom behandelnden Arzt zur Optimierung der Therapie ausgewertet werden

Neurologische Bewegungsstörungen: Neues System zur Tiefen Hirnstimulation ermöglicht bessere Versorgung der PatientenWiesbaden – Bei Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson und Dystonie konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome. Mit der Tiefen Hirnstimulation steht dabei seit Jahrzehnten eine chirurgische Behandlungsoption zur Verfügung. Die THS-Technologie der nächsten Generation ermöglicht über das kontinuierliche Messen der Gehirnströme nun erstmals, die Behandlung genauer auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Patienten abzustimmen.

Die Tiefe Hirnstimulation ist heute eine etablierte Therapieoption zur Symptomlinderung bei Patienten mit Bewegungsstörungen, bei denen Medikamente nicht mehr anschlagen. Bei dem Verfahren wird ein Generator – ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher – subkutan unterhalb des Schlüsselbeins implantiert und mit Elektroden verbunden, die in tiefliegenden Kerngebieten des Gehirns platziert werden. Über die Stimulationselektroden abgegebene milde Stromimpulse hemmen die überaktiven Kernregionen im Gehirn und lindern so effektiv die Symptome. Die Tiefe Hirnstimulation ermöglicht so beispielsweise vielen Parkinson-Patienten, wieder ein selbstbestimmteres und würdevolles Leben zu führen.

Neue Generation von Neuromodulatoren ermöglicht personalisierte Therapie

Bisher konnten nur während der Implantation eines Neurostimulators elektrophysiologische Aufzeichnungen durchgeführt werden, um Elektroden zu positionieren und die Therapie zu programmieren. Die neue Generation von Neuromodulatoren gibt jetzt nicht nur Impulse ins Gehirn ab, sie verfügt zudem über eine einzigartige „Brainsensing“-Technologie, die Hirnsignale kontinuierlich aufzeichnet, um den Zustand des Patienten besser zu verstehen. Die Signale können während der therapeutischen Stimulation innerhalb und außerhalb der Klinik aufgezeichnet werden. Dies ermöglicht es, Veränderungen eines Signals im Laufe der Zeit zu erkennen, Veränderungen aufgrund von Medikamenten zu beurteilen oder die Auswirkungen täglicher Aktivitäten wie Schlafen, Wachen und Mahlzeiten zu überprüfen. Auf der Grundlage dieser Daten kann der Arzt die Einstellungen für die Stimulation oder die Medikation anpassen und so die Therapie individuell auf die bestmöglichen Behandlungsergebnisse abstimmen.

Lebensqualität von Patienten verbessern

Das kontinuierliche Messen der Gehirnströme ermöglicht in Verbindung mit Patientenaufzeichnungen eine zielgerichtete, personalisierte und datengesteuerte Neurostimulationstherapie, die helfen kann, die Lebensqualität von Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen zu verbessern. Das Neurostimulator-System der nächsten Generation ist zur Symptombehandlung im Zusammenhang mit Parkinson, essentiellem Tremor, primärer Dystonie und Epilepsie zugelassen und wird von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.


Über Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Erkrankung des Nervensystems und ist eine nicht-heilbare, langsam fortschreitende Erkrankung. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 400.000 Betroffene. Nach und nach führt das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen zu stärker werdenden Bewegungsstörungen. Bewusste Bewegungen wie Aufstehen und Gehen verlangsamen sich und fallen zunehmend schwer. Auch die Feinmotorik leidet, was Patienten bei alltäglichen Tätigkeiten wie Schreiben oder Anziehen immer stärker einschränkt. Wenn die Gesichtsmuskulatur betroffen ist, verändern sich auch Mimik und Sprache. Das Gesicht wird ausdrucksärmer und im späteren Krankheitsverlauf zunehmend „maskenartig“. Die Sprache wird leiser, rauer, monoton und undeutlicher. Die Behandlung von Morbus Parkinson konzentriert sich auf die Linderung der Symptome. Am Anfang steht meist eine medikamentöse Therapie mit dem Ziel, den Dopamin-Spiegel im Gehirn zu erhöhen oder dessen Wirkung nachzuahmen. Wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist, gibt es chirurgische Behandlungsoptionen, zu denen auch die Tiefe Hirnstimulation gehört.

Über Dystonie

Dystonie bezeichnet eine primär erblich bedingte neurologische Bewegungsstörung, bei der schwere unwillkürliche Muskelkontraktionen auftreten. Diese nicht kontrollierbaren Kontraktionen führen zu wiederholten „Verdrehbewegungen“ der entsprechenden Körperteile. Betroffene sind währenddessen gezwungen in schmerzhaften, unnatürlichen Positionen zu verharren. Alltagsaktivitäten wie Gehen, Schlafen, Essen und Sprechen können dadurch stark beeinträchtigt werden. In Deutschland sind über 160.000 Menschen betroffen. Da Dystonie nicht heilbar ist, konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome. Am Anfang steht meist eine medikamentöse Therapie. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, gibt es chirurgische Behandlungsoptionen, zu denen auch die Tiefe Hirnstimulation (THS) gehört.
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