12.08.2016

Alarmierende Zahlen: Schwere Adipositas auf dem Vormarsch

Alarmierende Zahlen: Schwere Adipositas auf dem VormarschAdipositas ist eine komplexe Stoffwechselstörung, die mit einer Vielzahl von Folgeerkrankungen sowie einem erhöhtem Mortalitätsrisiko verbunden ist. Weltweit hat sie bereits epidemische Ausmaße angenommen und sich in vielen Ländern zu einer Volkskrankheit entwickelt. Mit dem jüngst veröffentlichten Weißbuch Adipositas des IGES-Instituts (Institut für Gesundheits- und Sozialforschung) liegt eine umfangreiche wissenschaftliche Aufarbeitung der aktuellen Versorgungssituation von Adipositas in Deutschland vor. Vor allem bei Männern hat der Anteil mit schwerer Adipositas stark zugenommen, seit 1998 um 55 Prozent. Bei Frauen, die generell mehr betroffen sind, liegt der Zuwachs bei 16 Prozent.

„Adipositas muss als Krankheit ernst genommen und nicht mehr nur als Lebensstilproblem angesehen werden, damit in ihre Behandlung mehr investiert wird“, betont Professor Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) und beratender Experte des Weißbuchs. Bei der chronischen Erkrankung Adipositas ist der Energiehaushalt des Körpers gestört. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Dazu gehören genetische Faktoren, hormonelle Störungen, psychische Beeinträchtigungen, bestimmte Essgewohnheiten oder geringe körperliche Aktivität. Knapp ein Viertel aller Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren sind in Deutschland adipös. Der Schweregrad der Adipositas wird über den Body-Mass-Index (BMI, Körpermasseindex) definiert, der das Verhältnis von Körpergewicht und Körpergröße misst. Insgesamt litten im Jahr 2011 acht Prozent der erwachsenen Frauen und rund fünf Prozent der erwachsenen Männer an erheblicher und extremer Fettleibigkeit (BMI ≥ 35).

Herz-Kreislaufkrankheiten oder Diabetes häufige Begleiterkrankungen

Häufig treten Adipositas, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörungen (z.B. hoher Cholesterinspiegel) gemeinsam auf. Man spricht dann von einem Metabolischen Syndrom. Ihr Auftreten erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z.B. Schlaganfall oder Herzinfarkt. So ist laut Weißbuch das Risiko, an einer Koronaren Herzkrankheit zu erkranken, bei Männern mit Adipositas zweimal so hoch, bei Frauen gar dreimal so hoch wie bei Normalgewichtigen. Das Risiko für Typ-2-Diabetes ist bei Adipösen sogar bis zu zwölfmal erhöht. Die Lebenserwartung bei extremer Adipositas (Grad III) ist mit bis zu zehn Jahren deutlich reduziert.

Chirurgischer Eingriff kann schwer adipösen Erwachsenen helfen

Für die Behandlung der Adipositas ist die individuelle Krankheitsgeschichte bedeutsam, um die genauen Ursachen, aber auch mögliche Hindernisse für eine erfolgreiche Therapie zu erkennen. Die Grundbausteine einer Adipositas-Behandlung sind dabei Ernährungsumstellung, Bewegung und Veränderungen in der Lebensführung. Bei krankhaftem Übergewicht (morbide Adipositas) reichen diese konservativen Therapiemaßnahmen jedoch meist langfristig nicht aus. Bei diesen Patienten kann eine Adipositas-chirurgische Behandlung (bariatrische Operation) erfolgen. Die Ergebnisse verschiedener Studien zeigen, dass ein operativer Eingriff den Patienten helfen kann, dauerhaft Gewicht zu verlieren und Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes erfolgreich zu behandeln. So weisen Patienten mit extremer Adipositas zwei Jahre nach einem chirurgischen Eingriff eine Gewichtsreduktion von etwa 23 Prozent auf, während Patienten gleichen Alters und mit gleichem Schweregrad der Adipositas, die eine konventionelle Behandlung erhalten, nach zwei Jahren wieder bei ihrem Ausgangsgewicht stehen.
Hinsichtlich der Versorgung fordern die Experten des Weißbuchs flächendeckende, im besten Fall einheitliche Therapieangebote, bei denen alle an der Adipositas-Behandlung Beteiligten optimal zusammenarbeiten können.
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